|
[Autor:
Pfarrer Georg Binder]
OSWALD SEBASTIAN
Den Heldentod für's Vaterland starb am 17.
März 1918 in Folge schwerer Verwundung
durch einen Granat-Schuß der ehrenvolle Jüngl.
SEBASTIAN OSWALD
Stephelbauerssohn von Tettelheim, Soldat beim
6. Bayer. Reserve-Inf.-Rgmt. 3. Maschinen Ge-
wehr Komp. - Inhaber des eisernen Kreuzes II Kl.
im Alter von 22 Jahren.
Die hl. Seelengottesdienste finden heute am
8. Apr. um 8U. statt, wozu Freunde u. Bekannte,
sowie die Bruderschaftsmänner u. die Kriegs-
kameraden, der Veteranen- Verein und
die Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehr zum Kirchgang gebeten sind.
(Gottesdienst am 8. Mai 1918 in Pfarrkirche Otting.)
Allerseelenbruderschaftsamt in Otting später.
---
Zum Schluß 3 V. Unser!
ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG!
Nun ist abermals ein Sohn unserer Pfarrei
den Heldentod gefallen; ein junger Krieger
ist hinübergegangen in das Land der Ewigkeit,
in dem schönen Blütenalter von 22 Jahren; wie
sehnsuchtsvoll hat er gehofft, daß auch er mit
anderen Kameraden zurückkehren werden in
das liebe teuere Vaterland, und nun hat
der Herr auch seine Seele abberufen vom
Erdenleid u. Erdenland, hat ihn zu sich ge-
nommen in seine himmlische Heimat.
Es ist dies der tugendreiche Jüngling
SEBASTIAN OSWALD, Stephlbauernsohn von
Tettelheim, welcher am 17. März 1918 in Folge
schwerer Verwundung den Heldentod für's
Vaterland fiel, als Schütze der 10. bayer. Inf.
Division, in der 3ten Maschinengewehr Komp.
als Inhaber des eisernen Kreuzes. Er
ist zusammen auf dem Felde der Ehre gefallen
mit noch 8 Kameraden, im Unterstand durch
eine feindliche Granate getroffen. Mit den
übrigen Soldaten wurde er am 19. März 1918
auf dem Soldatenfriedhof zu Elfringen in
Lothringen unter militärischen Ehren zur letzten
Ruhe gelegt und von den kath. Divisionspfarrer
Dr. Holzner kirchlich eingesegnet. Gott gebe
ihm die ewige Ruhe!
Was der göttl. Heiland einst mit Worten ge-
sagt hat, das predigt er heutzutage oft
mit Taten: "Der Menschensohn wird zu einer
Stunde kommen, wo man es am wenigsten ver-
mutet; denn in Wirklichkeit nimmt er bald
den einen Menschen heraus, bald den anderen,
bald läßt er ihn plötzlich sterben,
bald schickt er ihm eine Krankheit, die ihm
den nahen Tod vermuten läßt, oder einen
jähen und unvorhergesehenen Tod, wie wir
es jetzt so häufig in der Allerheil. Litanei
beten, wobei der Herr uns immer erinnern
will an die unerschütterliche Wahrheit: "Der
Menschensohn wird kommen zu einer Stunde
wo wir es am allerwenigsten erwarten."
Und in der gegenwärtigen gefährlichen Zeit
des Krieges ist es ja so leicht möglich, dem
Tode zum Opfer zu fallen, u. des Schreckens
nimmt kein Ende, wenn Todesfälle gemeldet werd.
Sebastian Oswald war am 21. März
1916 nach Lindau eingerückt , bis Sept 1916,
dann wurde er für die Maschinen-Gewehre
ausgebildet bis Anfang Novemb. 1916; von
da mußte er ins Feld nach Rußland bis Juli
1917; von da an die Westfront nach Flandern,
wo er sich das eiserne Kreuz erworben hat;
im November 1917 kam er in Urlaub auf 14
Tag, hierauf wieder nach Rußland, aber
gleich hernach nach der Westfront, wo er nach
dem heilig. Willen Gottes seinen Tod fand
am 17. März 1918.
Der Feldwebel Andreas Österlein
schrieb an die Eltern des Gefallenen einen be-
ruhigenden Trostbrief: "Leider muß ich Ihnen
die traurige Mitteilung machen, daß ihr lieber
Sohn, unser guter Schütze Sebastian Oswald
am 17. März im Ruhequartier durch eine Granate
in treuester Pflichterfüllung den Heldentod für's
Vaterland gestorben ist. - Ich spreche Ihnen im
Namen der Komp. mein innigstes Beileid aus.
Die Kompagnie verliert hiermit einen ihrer
Tapfersten und wird ihm ein stetes treues An-
denken bewahren."
Nun hat der liebe Gott den guten Kame-
raden hinweg genommen; u. das gläubige
Gemüt wird ihn nicht verlassen haben in den
letzten Stunden, der fromme Kindesglaube wird
ihm gekommen sein, als er den Tod, den Boten
Gottes nahen sah, denn in dieser tränen-
vollen Zeit des Weltkrieges über den Schlacht-
feldern schreitet. Und wenn die hl. Schrift aus-
sagt:"Sammelt euch gute Freunde, die wenn
es mit euch zu Ende geht, auch die Tore
des Himmels öffnen" - so kann man von
unserem christl. Mitbruder sagen, er hat sich
solch gute Freunde genug gewonnen, da
er ja stets treu ausgehalten in den
Kriegsgefahren, und alle Strapazen u. Müh-
seligkeiten des Kriegerlebens mit Ruhe und
Ergebung ertrug, so daß auf ihn u. alle Kriegs-
soldaten die Worte des hl. Apostels angewendet
werden können:"Selig die im Herrn sterben;
sie ruhen aus von ihren Mühselgkeiten und
ihre Werke folgen ihnen nach."
Nun ist Trauer in der Familie des
selig Verstorbenen, u. was sollen wir sagen
zum Troste derselben? - Kriegertod ist ein hl.
Tod, und wenn auch der Mensch manchmal
von den Schwächen der Menschen und von den Gebrechlichkeiten der Leidenschaften heimgesucht
wird, so müssen wir doch sagen, unser
verstorbener Mitbruder hat in den Tagen
seiner Jugendzeit den christlichen Glauben
immer hochgehalten und hat die Müh-
seligkeiten des Krieges mit Geduld ertragen,
und wird oft genug bei der guten Erziehung,
die seine Eltern ihm angedeihen ließen,
eine gute Meinung gemacht haben, hat
gewiß oftmals die hl. Himmelsmutter an-
gerufen, hat sich erinnert an die Gemeinschaft
der Heiligen, die allen Gläubigen zu Gute kommt,
hat daran gedacht, daß viele im Stillen für
ihn beten. Als ein sittsamer Sohn
seiner Eltern hat er zuhause schon gegolten,
u. tadelnswertes wurde von ihm nicht ge-
funden, u. auch im Regimente galt er
als braver Soldat bei allen seinen
Mitkameraden, und ein schöner
Zug ist es aus seinem Leben, daß er heim-
schreiben konnte an seine Familie, kurze Zeit
vor seinem Tode: "Ich war heute beim Beichten
u. kommunizieren", und als Beleg hierfür
wurde vom Regiment der Beichtzettel in
sein väterliches Haus gesendet; er trug
die Aufschrift: "Du, o Herr! bist meine Hoffnung
ein fester Turm vor dem Feinde" u. dazu
die Worte, die einst ein Kriegsmann aus-
gesprochen hatte, der fromme Hauptmann von Kapernaum,
"O Herr! sprich nur ein Wort u. es wird
meine Seele gesund!" - Auch das Wort des
großen Völkerapostels stand auf der Rückseite
des Beichtzettels: "Gnade auch u. Friede von
Gott dem Vater u. unserem Herrn Jesus Christus,
welcher sich selbst dahingegeben hat für unsere
Sünden, um uns von der gegenwärtigen
bösen Welt zu erlösen."(Vollkom. Ablaß.)
Vor wenigen Tagen war in hiesigen
Lokalblättern zu lesen, daß Seb, Oswald auf
dem Felde der Ehre fiel. Noch sind 2 andere
Brüder [noch] im Felde. Möge ihnen ge-
sunde, siegreiche Heimkehr beschieden sein!
Dem gefallenen Helden aber sei ein treues
Andenken bewahrt! Gebe Gott der Herr,
daß weitere Trauer nicht über das
Haus u. die Familie komme, u. Leid u. Kummer
und Sorge verschwinden!
Wir aber wollen mit Geduld und Er-
gebung ertragen, was der Herr uns
schickt. Der Herr ist der Herr und in seiner Hand
liegen unsere Geschicke; wer will sich gegen
ihn erheben; er tue an uns nach seinem hlst.
Willen!- Was hat der fromme Job des
alten Testamentes erleiden müssen? Die Hirten
wurden ihm erschlagen; die Herden zerstreut!
Das Haus ihm vom Sturmwinde niedergeworfen,
u. alle seine Söhne u. Töchter darunter begraben.
Doch klagte Job nicht; still und friedlich wie
ein Wiesenbächlein gingen auch weiter die
Strömungen seines frommen Gemütes, und
demütig neigte er sich vor dem Herrn mit den
Worten:"Der Herr hat's gegeben, der Herr
hat's genommen, der Name des Herrn sei ge-
benedeit."
Einst kam der göttl. Heiland mit seinen
Jüngern in eine Stadt, welche Naim hieß, da
trug man gerade einen Toten heraus und hinter
dem Sarge ging weinend die Mutter des
Toten einher, der der einzige
Sohn seiner Mutter war, einer armen Witwe.
Da der Herr Sie sah wurde er von Mitleid ge-
rührt, u. sprach zu ihr: "Weine nicht!" und er
erweckte den Toten zum Leben.
Es ist traurig, wenn im Hause oder in der
Familie jemand gestorben ist, u. die Tränen
lassen sich nicht mehr zurückdrängen - sie sind
ja eine Linderung des Schmerzes - aber weinet
nicht, wie solche, die keine Hoffnung haben, wie
der hl. Apost. Paulus schreibt, - sondern schaut
hin auf euren Herrn u. Heiland Jesus Christus,
welcher der Trost der Betrübten aber auch die Zuflucht
[der] Verstorbenen ist und mit den Worten der
hl. Schrift uns zuruft: "Wisset, es kommt
die große Zeit, wo der Tod nicht mehr
sein wird, noch Trauer, noch Klage noch
Schmerz. - Hoffen wir zu Gott, daß er,
den braven Soldaten abgerufen hat zu
guter Zeit; zu einer Zeit, wo er ihn auf-
nehmen konnte in die Zahl der Seligen!
Nun ruhe er aus im Frieden der Kinder
Gottes u. in der Anschauung des Herrn, mögen
die hl. Engel Gottes seine Seele empor getragen haben
in das himmlische Vaterland.
Wir aber wollen daran denken, daß wir
alle nicht ganz sündenfrei vor
unseres Herrn Richterstuhl erscheinen werden,
u. wenn es also ist, so wollen wir unserm
verschiedenen Mitbruder noch die Gabe des
frommen Gebetes nachsenden, daß er in
Bälde erlange das unsterbliche Leben der
ewigen Seligkeit
AMEN!
|
 |