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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
MATTHIAS HABERLANDER u. WILHELM HABERLANDER
Auf dem Felde der Ehre fiel
der ehrengeachtete MATHIAS HABERLANDER,
Inhaber des eisernen Kreuzes 2. Klasse,
und Verdienstkreuz 3. Klasse mit
Krone u. Schwert, vermißt seit
12. Juni 1916 im Alter von 25 Jahren,
sowie dessen Bruder, der ehren-
geachtete Jüngling WILHELM HABERLANDER,
Inhaber des eisernen Kreuzes 2.
Klasse, gestorben am 27 Juni in
englischer Gefangenschaft im Alter
von 23 Jahren, beide Bauernsöhne
von Oberau, Pfarrei Otting, für
welche die hl. Seelengottesdienste
am Montag 9. Dez. 1918 mit Vigil, 2
Requiem, 2hl. Beimessen u. Libera in
der Pfarrkirche zu Gott dem All-
mächtigen aufgeopfert wurden, R. I. P.
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ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG!
Nun ist der grausige schreckliche
Krieg nahezu vorüber, und hunderte und
tausende von Kriegern sind demselben zum
Opfer gefallen und Trauer u. Betrübnis
herrscht allseits im Lande.
Auch in ein stilles Haus kam der Tod
und mähte das Leben weg, und das
junge Blut floß über das [über das]
Schlachtfeld, während die Leute des Hauses
ruhig ihren Arbeiten nachgingen, es waren
2 Söhne des Hauses Oberau, die seit Jahr
u. Tag vermißt waren u. verschollen,
u. niemand fand sie mehr.
Als einst der hl. Apostel Paulus in seiner
letzten Gefangenschaft in Rom Todesahnungen
hatte, schrieb er seinem Schüler Thimotheus:
"Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt;
im übrigen ist mir hinterlegt die Krone der
Gerechtigkeit, welche mir geben wird der Herr
an jenem Tage, der gerechte Richter."
Am kühlen Heldengrabe, fern von der Heimat
haben die jungen Helden Blut u. Leben für ihr
Vaterland hingegeben, u. ich wüßte keine
bessere Inschrift auf dem Grab als diese
Worte des Völkerapostels:"Ich habe den
guten Kampf gekämpft." - Nahe dem Tode
wirft der Apostel einen Blick zurück auf
sein Tatenreiches Leben u. faßt dasselbe
in das schöne Wort zusammen:"Ich habe den
guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet,
den Glauben bewahrt." dasselbe könnten
auch die beiden Heldensöhne, die jetzt ge-
fallen sind mit Recht von sich selber sagen:
"Wir haben den guten Kampf gekämpft."
Matthias Haberlander sowohl als Wilhelm
haben den Kampf nicht gefürchtet, sind ihm
nicht ausgewichen. Als der oberste Kriegsherr
sie unter die Waffen rief, unterzogen sie sich
allen Mühen u. Strapazen des Krieges, jeder
tat seine Pflicht bis zum letzten Atemzuge.
Und nun liegen sie draußen auf dem freien
Schlachtfelde, wir wissen nicht wo, u. was
würden [sie] sagen, wenn sie mit uns sprechen
könnten; was anderes, als das sie mitsammen
für Gott, Kaiser u. Vaterland geduldet haben;
Sie würden uns erinnern an den letzten Abschieds-
Gruß von Heimat u. Eltern, von Geschwistern
u. Freunden; uns erinnern an das bittere
Heimweh, das ihr Herz erfaßte, wenn sie - die
beiden Brüder - in den stillen Stunden der Nacht
im Felde auf Posten standen; uns erinnern an
die furchtbaren Strapazen der langen Märsche,
wo oft die Soldaten durch Mattigkeit, Hunger
u. Durst fast zusammenbrechen wollten; uns
erinnern an die Tage u. Nächte, die unsere Sol-
daten in den Schützengräben, zitternd vor Er-
müdung, Nässe und Kälte haben aushalten
müssen; uns erinnern an die Schrecken des
blutigen Kampfes, an das tödliche Blei, an
die Stätte, wo sie ihr junges Leben aushauchten
u. wo sie nun ruhen mit ihren toten Kameraden.
Und an all das wollen auch wir uns öfter
erinnern, - u. diese Erinnerungen wollen wir fest-
halten unser ganzes Leben lang, u. dankbar
wollen wir sein u. bleiben, wenn auch uns ein
Ungemach nach dem andern trifft.
Der Krieg ist schlimm ausgegangen, sagen
die Leute, wir hätten siegen sollen, nach mensch-
licher Berechnung wären wir obenauf gewesen:
!doch so lag's in Gottesplan, was er tut,
ist wohlgetan." Freunde! - von uns wird
es auch nicht heißen:"Er hat den Lauf vollendet!
Wann, wo, wie." das weiß Gott allein!
Seid ihr bereit!
Und wenn es jetzt auch traurig ausschaut
in unserem trübseligen Vaterlande, - so erinnern
wir uns öfter durch einen frommen Aufblick
zu Gott u. sprechen wir in der Stille des Herzens:
"Was Gott tut, das ist wohlgetan, der Name
des Herrn sei gebenedeit, u. muntern wir
uns auf durch die Worte:"Auch uns ist
hinterlegt die Krone der Gerechtigkeit, welche
mir der Herr, der gerechte Richter geben wird.
Hier aber gedenken wir des verstorbenen
Brüderpaares und beten
wir, daß der Herr ihnen bald verleihe die
ewige himmlische Ruhe.
Und einst, am Tage des Weltgerichts, -
wenn der gerechte Richter kommen wird, werden
auch unsere Helden, die hier für das Vaterland
so früh ins Grab gesunken sind, - glorreich,
wie wir hoffen - auferstehen und mit der
Krone der Gerechtigkeit geschmückt werden
für immer u. ewig, u. wir können den
Heldensöhnen keinen sinnvolleren Wunsch
nachsenden in das Land der Ewigkeit als
das Wort:"O Herr, gib ihnen die ewige
Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen u.
lasse sie ruhen und eingehen in sein Reich,
wo alle Tränen von ihren Augen ab-
gewischt wurden, wo der Tod nicht mehr
[nicht mehr] sein wird, noch Trauer, noch
Klage, noch Schmerz.
Und ihr meine lieben Christen und
Ihr Angehörigen, betet für die Verstorbenen
guten Brüder und betrübet euch nicht all-
zu übermäßig über den Verlust derselben,
von welchen man sagen kann, daß sie
treu gewesen sind bis in den Tod, und
daß der Herr ihnen die Krone des ewigen
[Lebens] gegeben hat.
"Weine nicht", sprach der Herr zur
Witwe von Naim, - und erweckte
die Toten zum Leben und zur Auferstehung.
AMEN!
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Die Pflicht rief mich zum Krieg hinaus,
Mit Gott ging ich zum Vaterhaus.
Ich dachte euer fort und fort,
Wenn ich auch weil in fremden Ort,
Und freute mich auf's Wiederseh'n,
Wenn Krieg u. Sturm vorüber geh'n.
Doch anders hat's der Herr gewollt,
Und hat von hier aus uns geholt.
Nun ruh in fremder Erd' ich aus,
Und bleib bei GOTT im Vaterhaus.
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