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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
OBERZEILER LEONHARD
Feldzugssoldat, Oberzeilersohn von Dan-
kerting, k. bayr. 2. Infant. Rgmt. 3. Komp.
gefallen in Nordfrankreich am 11. Okt. 1915,
(Kopf weg geschossen durch einen Granatschuß)
in einem Alter von 22 Jahren.
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ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG!
Wieder ist ein Sohn unserer Pfarrei
den Heldentod gefallen auf dem Felde der
Ehre; es ist das der tugendsame Jüngling
Leonh. Oberzeiler, Oberzeilersohn von Dankert.
Feldzugssoldat beim k. bayr. 2. Inf. Rgmt.
3. Komp., welcher in Nordfrankreich in Folge
eines gewaltigen Granatschusses in einem
Alter von 22 Jahren jäh u. plötzlich von
diesem zeitlichen in das jenseitige Leben ab-
gerufen wurde, u. für welchen die gegen-
wärtigen hl. Seelengottesdienste abgehalten werden.
Am jüngst vergangenen Feste Allerheiligen
habe ich in der Predigt kurze Worte gesprochen
über die erlösende Kraft des Heldentodes.
Wenn auch die Eltern u. Geschw. der gefallenen
Helden in stiller Sorge sich fragen, was
wird wohl im Jenseits mit unserem guten
Leonhard geschehen sein, welches wird jetzt
sein Los sein; wird er vom grausigen
Kriege hinweg in einen noch grausigeren
Ort gekommen sein oder nicht, so können
wir zu ihrem Troste ihnen sagen, der Christl.
Heldentod, wenn er mit freudiger Opfer-
gesinnung erduldet wird, ist ja der
höchste Grad der christl. Nächstenliebe,
denn also schreibt der hl. Johannes:
"Eine größere Liebe gibt es nicht, als
daß ein Mensch sein Leben hingibt für
seine Freunde."
Nun haben das unsere Toten getan; mit
Freuden sind sie ausgezogen in den Krieg, voll
Jubel, keiner mißmutig, alle mit Freude u.
von Herzen gerne.
Das hat der liebe Gott den jungen Leuten
hoch angerechnet; u. wie haben sie sich vor-
bereitet? Eine merkwürdige starke, re-
ligiöse Bewegung war es, die da mit
einem Wahn unsere jungen Leute erfaßt
hat, u. es wird wohl keiner gewesen sein, der
in jenen ernsten Tagen seine Rechnung mit
dem Himmel nicht gemacht hätte, sie alle
haben sich vorbereitet für das Sterben
u. für den Tod, wie sie in anderen Zeiten
es nicht besser hätten machen können.
Und dann, das Leben im Felde, in
der Front! Ist es nicht geradezu erstaun-
lich, was uns von Feldgeistlichen und von
Soldaten selbst über das religiöse Leben
der Krieger geschrieben wird: wie sie beten,
wie sie mit erschütternder Andacht zum Tische
des Herrn gehen, die Kirche besuchen und sich
auf die täglichen Kämpfe vorbereiten. Diese
Frömmigkeit ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte
des Weltkrieges.
Und was für eine religiöse Sprache
führen unsere Krieger in ihren Feldbriefen!
Aus allen diesen Briefen spricht der religiöse
Geist heraus, das Gottvertrauen und die
Zuversicht. - Hat doch auch der Verstorbene
seine Eltern u. Verwandten getröstet, so
schrieb er heim am 29. Sept: "Verzaget
nur nicht! Einmal muß die Stunde
kommen, wo man sagen kann: Friede
den Menschen auf Erden: wer weiß aber,
ob wir uns noch sehen in der schönen
Heimat; aber wenn wir uns auch nicht
mehr sehen, braucht ihr euch doch keinen
Verdruß zu machen; denn so viele schon haben
ihr junges Blut geopfert." - Welcher Mut
spricht aus diesen Zeilen, welche Entschlossenheit,
welche Christenhoffnung!
Und an einer anderen Stelle, in einem
Brief vom 6. Okt. schrieb er heim: "Wir wollen
nicht verzagen u. das Beten nicht vergessen;
ans Sterben denken wir immer."
Wie eine Todesahnung klingt es aus
dem Briefe: 5 Tage hernach lag er tot
auf dem Schlachtfelde.
Christlich gelebt u. christlich gestorben u. christlich gedacht
können wir auf ihn anwenden die Worte
der hl. Schrift:"Die Seelen der Gerechten sind in
der Hand Gottes u. die Pein des
Todes berührt sie nicht; in den Augen der
Toren scheinen sie zu sterben u. ihr Hingang
wird für Leid gehalten u. ihr Scheiden
für Vernichtung; sie aber sind im Frieden."
Tröstet euch nun mit der Hoffnung,
daß der gute Leonh. bei der christl. Gesinnung,
die er im Leben gezeigt, ein gutes Plätzchen
im Himmel gefunden habe und habet frohe Zuver-
sicht auf das Wiedersehen im Himmel: lebet
ein frommes Leben in Chro. Jesu und betet für
ihn, wenn auch er, wie es wohl bei den meisten
Menschen der Fall ist, des Gebetes noch bedarf;
er hat gekämpft für Gott, sein Vaterland
u. seine Heimat und der Herr möge ihn dafür
die Krone des ewigen Lebens geben,
zu Folge des Ausspruches des hl. Johannes:
"Selig diejenigen, die im Herrn sterben;
sie ruhen aus von ihren Mühseligkeiten,
u. ihre Werke folgen ihnen nach!"
Amen!
R.I.P.
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