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In Folge schwerer Verwundung starb
im Alter von 27 Jahren in den Kämpfen von
Flandern auf dem Felde der Ehre den Helden-
tod für's Vaterland am 20. Okt. vorigen
Jahres {1917] und wurde in einem Friedhofe
im Feindesland begraben Herr KARL
PACHMAYR, vormaliger Hilfslehrer zu
Otting, Leutnant der Reserve, Inhaber des
eisernen Kreuzes u. der goldenen Tapfer-
keitsmedaille. - die hl. Seelengottesdienste
fanden statt am Dienstag 15. Januar in der
Pfarrkirche zu Otting
[Bleistift: Für ihn u. alle Armen Seelen
werden die gegenwärt. hl. Seelengd.
aufgeopfert mit Vig. Req. u. Beimessen
u. Libera Gott
dem Allmächtigen
aufgeopfert
3 V. Unser,
vorher offer
Schuld,
Bitten]
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CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLG!
Es war im April 1911, an einem Sonntag,
da erschien unerwartet im Schulzimmer zu
Otting ein junger Mann in voller Uni-
form als Einjährig Freiwilliger des 10ten
Infant. Rgmts München. Er war von hoher Statur und
hatte ein angenehmes Äußeres; es war dies der
jetzt aus dem Leben geschiedene Herr KARL PACH-
MAYR, welcher von der kgl. Behörde als Hilfs-
lehrer zur Schule Otting angewiesen war.
Hier wirkte er als solcher, nachdem er
vorher in Schrobenhausen in Schulpraxis ge-
wesen war bis zum Jahre 1913, da mußte
er zum Militär einrücken und begann seine
Ausbildung als Einj. Freiwilliger; schon hoffte er,
daß er bald wieder zu seinem Lehrberuf zu-
rückkehren könnte, da brach der Krieg aus,
der die gesamte Jungmannschaft zu den Waffen
rief, u. auch er folgte dem Rufe des Vater-
landes, ja eine gewisse Begeisterung riß ihn
fort, hinaus in die Stürme des Krieges.
Hier war er in seinem Elemente.
Nicht, als ob er die Einberufung zum Militär
als eine gewisse Erlösung vom Schuldienst
betrachtet hätte; o nein! er wäre
sicher zu demselben wieder zurück gekehrt,
wenn die Verhältnisse es gestattet hätten. Er
hatte aber die Gabe, sich in alles hineinzufügen.
In der Schule verstand er es als geübter Lehrer
bei seiner guten methodischen Ausbildung, den
Schülern die Schulgegenstände in interessanter
Weise darzubieten; durch gewissenhafte Vor-
bereitung auf die Lehrgegenstände
erreichte er es, daß die einzelnen
Schulabteilungen, denen er vorzustehen hatte,
immer auf guten Zustande waren; er verstand
es auch, die Kinder zu packen u. Ruhe und
Disziplin aufrecht zu erhalten. Hatte er ja
auch vom Hause aus eine angeborene Neigung
zum Berfe eines Lehrers, nachdem auch der
Vater des Verblichenen dem Lehrerberufe
angehörte.
Am 14. Aug 1914 rückte Pachmayr als Unteroffizier
aus u. wurde, da er in Folge eines am
30. Apr. 1914 erlittenen Beinbruches nicht
Kriegsverwendungsfähig war, als Maschinen-
schreiber u. später als Rekruten-Ausbilder
in München beim Rekruten-Depot II Winthier-
Schule verwendet.
Im Jahr 1916 kam Pachmayr als Vizefeld.
webel ins Feld u. machte die schwierigen Kämp-
fe in den Karpaten mit. Bei Erstürmung
eines 1800m hohen Waldberges zeigte er außer-
gewöhnlichen Mut, große Geistesgegenwart u.
vorbildliche Tapferkeit. Für dieses große Helden-
tum wurde er mit der goldenen Tapferkeits-
Medaille belohnt. Das eiserne Kreuz hatte er
schon erhalten; die weitere Folge war die
Ernennung zum Leutnant, damals stand
er bei[m] 16. Inf. Rgmt.-Im Frühjahre 1917
kam sein Regmt. nach Westen; hier kämpfte
er mehrere Monate in Flandern, der Hölle
des westlichen Kriegsschauplatzes. Dort er-
litt er auch den Heldentod, bei Kortrik in Flandern in Folge eines Bauchschußes.
Leutnant Pachmayr war von seinen
Vorgesetzten hochgeachtet und bei seinen
Untergebenen sehr beliebt.
Ein christlicher Schriftsteller schreibt:"In dieser
tränenvollen Zeit des Weltkrieges schreiten
Todesengel mit gesenkten Häuptern Tag
um Tag von den Schlachtfeldern her über das deutsche
Land. Sie kommen von den stillen Grabhügeln,
die wie eine hl. Ehrenwacht die Grenzmarken
unseres Vaterlandes umhegen. Und sie klopfen
mit ihren Geisterhänden an die Prachtpforten
der Paläste u. klopfen an den Türen stattlicher
Bürgerhäuser, u. klopfen an die Fenster-
scheibe mancher armseligen Hütte. Und
wo sie leise pochen, da wird es totenstill
in der lautesten Stube, da geht ein Zittern
durch alle Herzen, ein Erblassen über alle
Gesichter. Da sprechen altersgraue Eltern
erschrocken: Er ist tot, da schluchzen die
Söhne und Töchter des Hauses: er ist tot.
O Tod! wie furchtbar bist du! Du nimmst
hinweg aus diesem Erdenleben - den Jüngling
in seinem schönen Blütenalter; du bringst ge-
heimnisvolle Stille über das Land und es
trauern die zurückgebliebenen um all die
tapferen Helden, die ferne der Heimat begraben
liegen; und dein schwerstes Kreuz mußt du
selber tragen, das kann dir niemand von
den Schultern nehmen; Gott hat es für dich ge-
macht u. er will, daß du es in Geduld u.
Demut durch diese kummervollen Zeiten tragest."
Nun die Zukunft in der Ewigkeit! Die meisten
zu Tode getragenen Krieger tuen wohl auch
im letzten Augenblick noch einen Blick voll Reue
u. Liebe zu Gott emporrichten. So dürfen wir in
voller Zuversicht auf sie anwenden:" die Seelen
der Gerechten sind in Gottes Hand und des Todes
Pein berührt sie nicht." u. die Mühseligkeiten u.
Strapazen des Krieges sind eine immerwährende
Abtötung, die die Krieger aufopfern können; u. zudem ist
unser Mitbruder im Lazarett als Patient ge-
legen u. hat wohl auch, gleich übrigen Soldaten
die Tröstungen unserer hl. Religion empfangen.
Also sollten wir übertraurig sein?
Nein gewiß nicht!-
Ein ergreifendes Beispiel einer edlen Trauer
hat uns die hl. Schrift zurückgelassen in der Toten-
klage David's um seinen Jugendfreund Jonathas
u. König Saul, die im Kampfe gegen die Philister
auf dem Gebirge Gilboa gefallen waren:
Der HELDENGESANG DAVID's lautet:
Gedenke derer Israel, die auf deinen Höhen ihren Wunden erlagen!
Die Herrlichsten, o Israel, sind auf deinen Bergen erschlagen!
Wie sind die Helden gefallen!
Ihr Berge von Gilboa, nicht Tau, noch Regen falle mehr auf euch,
Noch sollen Erstlinge auf euren Fluren sproßen!
Denn dort ward weggeworfen der Helden Schild,
Saul's Schild, als wär er nicht mit Öl gesalbt.
Saul u. Jonathas, die Geliebten u. Helden, wie im Leben,
So jetzt im Tode vereint! Sie schneller als Adler, starben als Körper.
Wie sind die Helden gefallen im Kampf, Jonathas! auf
deinen Höhen erschlagen!
Es ist nun Leid um dich, mein Bruder Jonathas!
Wie du mir so hold! Deine Liebe ging mir über
Frauenliebe, wie eine Mutter ihren einzigen Sohn, so habe
ich dich geliebt!
Ist das nicht ein herrliches Loblied auf den
Heldentod, das uns im Buche Gottes für alle
Zeiten zu Trost und Freude niedergeschrieben ist?
So hat man schon vor mehr als 2000 Jahren
über den Heldentod gedacht u. Gebet u. Opfer
wurden für die Gefallenen dargebracht, man
hat nicht im geringsten gezweifelt , daß den
im Kampfe um Heimat u. Vaterland Gefallenen
die Siegeskrone der Ewigkeit zu Teil wird.
Wir wollen aber gleichwohl oft daran
denken, was die hl. Schrift uns sagt: "Es ist
ein hl. u. heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen
zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden."
Amen!
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