|
[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Jüngling FRANZ XAVER KROISS, Feldzugs-
soldat beim bayr. Reserve-Inf. Rgmt, ge-
fallen auf dem Felde der Ehre durch Verschüttung
in den Kämpfen von Flandern, am 3. Sept. 1917,
im Alter von 21 Jahren. - Er war ein Sohn
der Familie Urban in Weibhausen in erster
Ehe. - die hl. Seelengottesdienste fanden statt
in Otting, Donnerstag 27. Sept. 1917. R.I.P.
---
CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG
Nun ist abermal ein Sohn unserer
Pfarrei den Heldentod gefallen; ein junger
Krieger ist hinübergegangen in das Land
der Ewigkeit, in dem schönen Blütenalter
von 21 Jahren; wie sehnsuchtsvoll hat er
gehofft, daß auch [er] mit anderen Kameraden
zurückkehren würde in das liebe teuere Vater-
land; u. nun hat Gott der Herr seine Seele abberufen
von Erdenleid u. Erdenland hat er ihn zu
sich genommen in seine himmlische Heimat.
Es ist dies der tugendreiche Jüngling
Franz Xav. Kroiß. Urbansohn von Weibhsn.
Feldzugssold. beim bayr. Reserve.Inf.Rgmt.
Ihn aber hat nicht der Tod auf offenem
Schlachtfelde ereilt, nicht eine heimtückische
Kugel oder ein Granatsplitter hat ihn hin-
weggerafft, - sondern im dunklen Unter-
stand sind er u. ein Teil seiner Kameraden
verschüttet worden u. nach kurzem Auf-
atmen waren sie tot.
Ein Unteroffizier beschreibt in einem
Briefe an das väterliche Haus den Untergang
der Kameraden: "Sie wissen schon, daß Ihr
guter Sohn Franz Kroiß am 3. Sept. ds. Jahres
durch Verschüttung gestorb. ist. - Sollten Sie
es noch nicht wissen, so rührt es mich um
so mehr, Ihnen diese traurige Nachricht mit-
teilen zu müssen. - Ich habe ihren Sohn
schon in Passau kennen gelernt u. bin mit ihm
ins Feld gezogen u. war hier immer sein Gruppen-
führer; er war mir u. den anderen Kameraden
gegenüber ein Muster von einem Soldaten u. noch
mehr Kamerad; sein Humor hatte uns oft in
schweren Tagen den Mut wieder gehoben. - Ich
selbst war bei ihm als er starb.
Wir waren am Flandrischen Kriegsschauplatz,
so 22 od. 23 Mann in einem Unterstand zu ebener
Erde; das englische Artillerie-Feuer den 3. Sept. wütete
an der ganzen Front wahnsinnig stark, lauter
schwere Kaliber. Wir waren ganz dicht
beisammen in der ersten Linie. Franz hatte
schon lange geschlafen auf der Holzpritsche,
ober ihm noch 2 Kameraden, da kam plötz-
lich, um 1/2 1U. Mittags ein Blindgänger, schlug den
Unterstand durch, u. wir waren alle ver-
schüttet. Was dies für ein Moment war,
kann sich nur DER vorstellen, der so etwas
selbst mitgemacht hat. - Ich konnte mich dank
meiner Geistesgegenwart durch das Einschuß-
Loch retten, mit mir noch 2 andere, hernach
suchten wir gleich, was zu retten ist, es waren
alle leichter oder schwerer verwundet und
in die nächsten Unterstände gebracht; Franz
war der drittletzte, den wir unter den Trüm-
mern hervorzogen: Er lebte noch 1/2 Stunde,
der Arzt war sofort zur Stelle; Franz spürte
nichts mehr davon, die letzten 2 waren tot,
einer von Lampoding bei Petting, mit Namen
Wendlinger, der andere von Lenggries.
Ich möchte nun im Namen der anderen
6 Kameraden der Gruppe um 6 Sterbebbilder
bitten, die wir als einen Schatz betrachten
werden." - Also der Berichterstatter; beigefügt
ist noch, daß derselbe ein Niederbayer ist, u. zwar
aus Gangkofen.
Zur Ergänzung schrieb noch ein Lieutn. des
Rgmts. "Es obliegt mir die schmerzliche Pflicht, Ihnen
Mitteilg. machen zu müssen, daß ihr Sohn am 3. Sept
in den schweren Kämpfen in Flandern durch einen
Granat-Volltreffer den schweren Heldentod
auf dem Felde der Ehre gefunden hat.
Die Komp. verliert in demselben einen ihrer
besten Soldaten, dessen Andenken sie stets in
Ehren halten wird. Möge Ihnen der Gedanke
Trost in Ihrem Schmerz verleihen, daß der
Tapfere sein Leben für eine große Sache
hingegeben hat.
Nun hat der liebe Gott den guten Kame-
raden hinweggenommen von diesem Erden-
leben, - u. das gläubige Gemüt wird ihn nicht
verlassen haben in den letzten Stunden, der
fromme Kinderglaube wird ihm gekom-
men sein, als er den Tod, den Boten Gottes
nahen sah, der in dieser tränenvollen Zeit
des Weltkrieges Tag für Tag über die Schlachtfelder
schreitet. Und wenn die hl. Schrift uns sagt: "Sammelt
euch gute Freunde, die, wenn es mit euch zu Ende
geht, euch die Tore des Himmels öffnen," -
so kann man von unserem christl. Mitbruder
sagen, er hat sich solch guter Freunde genug ge-
wonnen, da er ja treu ausgehalten hat
in den Kriegsgefahren u. alle Strapazen u.
Mühseligkeiten des Kriegerlebens mit Ruhe und
Ergebung ertrug, so daß auf ihn und alle
Kriegssoldaten das Wort des hl. Apostels Johannes
angewendet werden kann:"Selig die im Herrn
sterben; sie ruhen aus von ihren Mühseligkeiten
und ihre Werke folgen ihnen nach."
Nun ist Trauer in der Familie des sel.
Verstorbenen, u. was sollen wir sagen zum
Troste derselben? Kriegertod ist ein hl. Tod,
u. wenn nun die Schwächen des Menschen auch
über ihn kamen, wie über andere Menschen,
so müssen wir doch sagen, unser Mitbruder hat
in den Tagen seiner Jugend den christl. Glauben
immer hochgehalten und hat dazu die Mühselig-
keiten des Krieges mit Geduld ertragen und
wird oft genug eine gute Meinung gemacht ha-
ben, um all die ausgestandenen Mühseligkeiten
zu guten Werken zu machen; dazu das Gebet
der Angehörigen zu Hause, die Gemeinschaft der
Heiligen, die allen Gläubigen zu Gute kommt,
die vielen hl. Meßopfer, die für die Krieger
immerfort während des Krieges aufgeopfert wurden,
- das alles u. vieles andere geht über auf die-
jenigen, die Hilfe brauchen in gefahrvoller Zeit.
Hoffen wir zu Gott, daß er den braven Sol-
daten abgerufen hat zu guter Zeit; vielleicht hätte
er sonst Jahr und Tag dahin gelebt u. sich mit des
Lebens Lust u. Leid herumgeschlagen. War es
da nicht unendlich viel besser, daß er jetzt den
herrlichen christl. Heldentod gestorben ist, der ihn
vor Gott u. den Menschen groß gemacht hat!
Nun ruhet er im Frieden der Kinder Gottes
und in der Anschauung des Herrn, mögen
die hl. Engel Gottes seine Seele emporgetragen
haben in das himmlische Vaterland! Und
das sei Euer u. unser aller Trost:"Es gibt
ein Auferstehen u. es gibt ein Wiedersehen!"
AMEN!
|
 |