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[mögliche Autoren auf Basis des Schriftbildes:
Koprator Korbinian Thalmaier oder
Coadjutor Ludwig Küffner, dem Stil der Rede
nach könnte sie auch von Pfarrer Binder verfasst
und dann von einem seiner Hilfsgeistlichen
abgeschrieben worden sein.]
Feldzugssoldat Eduard Söldner, Hubersohn
von Freimann, Soldat bei der 1. bayr. Jäger-
Inf.-Division, 2. Komp. - 20 Jahre alt, - gestorben
am 8. Dez. 1916 nach einer Verwundung am
rechten Arm einer schweren Lungenent-
zündung im Feldlazarett 10 in Ungarn erle-
gen. Er wurde begraben auf dem neu ange-
legten Soldatenfriedhof in Felsöviso in Un-
garn [heute Vișeu de Sus, Rumänien].
Gottdste in Otting am 8. Jan. 1917
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CHRISTL. TRAUERVERSAMMLUNG!
Schon wieder sind wir versammelt
in diesem Gotteshause, um zu beten für
die Ruhe eines Kriegers, welcher auf
dem Schlachtfelde in fernen Osten Gut,
Blut u. Leben hingegeben hat für Ehre u.
Ruhm des deutschen Vaterlandes, für Kai-
ser und König, für seine Landsleute
und seine Heimat. - Es ist das unser
Pfarrkind Ed. Söldner, Hubersohn von
Freimann, Feldzugssoldat bei der 1. bay. Jäger-
Inf. Division, 2. Komp., welcher am 8. Dez. 1916
nach einer Verwundung am rechten
Arm in das 10. Feldlazarett zu Strachnitz
aufgenommen, dort aber nicht seiner Ver-
wundung, sondern einer schweren
Lungenentzündung unterlegen ist. Er hatte
das schöne Blütenalter von 20 Jahren hinter
sich, und ist als Jüngling gestorben, nachdem
er die hl. Sakramente empfangen hatte.
Rote Kreuzschwestern wachten Tag
und Nacht am Krankenlager desselben u.
diese liebende Sorgfalt war für ihn überaus
wohltuend und manchmal mag er sich
gedacht haben, daß er in seiner Heimat nicht
besser verpflegt werden könnte. Aber alle
Aufmerksamkeit und Sorgfalt half nichts mehr,
das schwere Leiden führte zum Tode und am
Tage unserer lb. Frau im Dezemb., d.i. am Tage
Mariae-Empfängnis schlummerte er sanft
und ruhig hinüber in die Ewigkeit. Im schö-
nen, neu angelegten Friedhofe der Krie-
ger in Felsöviso in Ungarn wurden seine
sterblichen Überreste der geweihten Erde über-
geben. Alle die ihn kannten, haben ihn geliebt,
er war ein guter, ruhiger u. zufriedener
Patient, der auch das schwere Leiden, das Gott
der Herr ihm auferlegt hatte, mit Geduld und
Gottergebenheit ertrug, u. der Chefarzt des
Lazaretts tröstete die Hinterbliebenen mit den
schönen Worten an den treubesorgten Vater:
"Das Bewußtsein, daß Ihr Sohn des schönsten
Todes eines Mannes, den Heldentod für's Va-
terland, gestorben ist, möge Euch die Kraft
geben, den schweren Verlust zu tragen u. zu
überwinden" und die guten Schwestern,
welche die letzten Nächte bei dem Ster-
benden wachten, fügten diesen Worten noch bei:
"die allerletzte Nacht war er nicht mehr klar;
er war sich kaum der Schwere seiner Krank-
heit bewußt! Er war ein guter Jüngling,
zeichnete sich aus durch Willigkeit und christl.
Sinn und hatte auch die Mühseligkeiten des
Kriegsleben mit Geduld ertragen." Insbeson-
dere hat eine Schwester mit Namen Wilma
in Strachnitz ihm viel Gutes erwiesen.
Rührend ist der Briefwechsel zwischen
dem guten Sohn u. seinem Vater u. den Ge-
schwistern: Er lag schon länger im Lazarett als
Verwundeter, er wollte aber dieses nicht nach
Hause schreiben, weil er befürchtete, daß er [Sorge?]
im väterlichen Hause hervorrufen könnte.
Aber die Liebe zu seinem Vater u. seinen
Geschwistern drängte ihn dazu, er konnte sich
nicht mehr zurückhalten, u. schrieb ihnen
nun: Erschreckt nicht; ich liege schon seit
meinem letzten Brief im Lazarett, mein
Arm ist verwundet; und weil der rechte
Arm verwundet ist, schrieb er mit der linken
Hand: "Lieber Vater! Nun will ich dir
diese Zeilen schreiben; ich bin verwundet
am rechten Arm; habe diese Zeilen mit
dem linken Arm geschrieben; ich kann
jetzt nicht mehr schreiben."
Eine Feldpostkarte vom 3. Okt. 1916 enthält
unter anderem:"Ich wäre sehr froh, wenn
ich noch einmal in die Heimat kommen
könnte; ich habe Glück; vielleicht kommt es doch
noch, daß wir uns wieder sehen." Und
ein andermal, nachdem die Lungenent-
zündung zur Verwundung hinzugekom-
man war, schrieb er in leiser Ahnung
seines Zustandes:"Ich glaube, ich komme
nicht mehr! Ich habe nun auch die Lungen-
entzündung bekommen, mit meinem
rechten Arm ginge es besser;" u. ein großer
Trost ist es, daß er beifügte:"Bin heute bei der
Beicht und Kommunion gewesen; vielleicht
hilft es auch für meine Gesundheit! Gott
gebe es, mein herzig guter Vater!"
Nun ist er gestorben, er ist ein Opfer
geworden des unseligen Krieges gleich
vielen anderen, aber hoffen können wir,
daß er eingegangen ist in die ewige Ruhe,
nachdem er treu geblieben ist im Christus-
glauben und der guten Sitte.
Wenn ein Menschenkind gestorben
ist, dann ist unser erster Wunsch, vielmehr
unser erstes Gebet, das wir den Verstorbenen
nachzuschicken pflegen;" O Herr gib ihm die
ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte
ihm!" Und in der Tat, wir können auch den
Abgeschiedenen nichts besseres wünschen
und kein passenderes Gebet für sie verrich-
ten. - Denn was sucht der Mensch, solange
er hienieden wallet, was sucht er wohl
mehr u. eifriger als Ruhe. Nach Ruhe u.
zwar nach einer beständigen Ruhe zielen
alle Gedanken u. Begierden, alle Bemü-
hungen u. Arbeiten u. selbst die ganze Un-
ruhe des Menschen. Aber leider findet er
auf Erden die so sehnlich gewünschte Ruhe
selten, u. wenn er sie auch gefunden hat,
so ist sie doch keine dauernde, keine EWIGE
Ruhe, weil es gar viele Dinge gibt, die
diese Ruhe stören.
Wenn es nun also ist, dann können
wir unserem Abgeschiedenen keinen
sinnvolleren Wunsch nachschicken als:
"O Herr gib ihm die ewige Ruhe!" das heißt, lasse
sie eingehen in dein Reich, wo sie frei wer-
den von allem, was hienieden ihre Ruhe
störte, "wo alle Tränen von ihren Augen
abgewischt werden, wo der Tod nicht mehr
sein wird, noch Trauer, noch Klage, noch
Schmerz", wo ihre Seelen in deiner Vaterhand,
wo ihre Leiber in der Erde ruhen!, wo ihnen
das ewige Licht, Jesus Christus, die Sonne der
Gerechtigkeit, leuchten möge am hellen Tage,
den keine Nacht mehr verdunkelt.
Und nun, ihr Familienangehörigen des ge-
fallenen Kriegers, betrübt euch nicht über-
mäßig über den Verlust eures Sohnes u.
Bruders; der Kriegertod ist ein hl. Tod; aber noch
mehr der Tod eines christlich. Soldaten, der sei-
nem göttlichen Herrn u. Meister treu ge-
blieben ist bis zum Tode, vereinigt mit ihm
durch den Empfang der hl. Sakramente. - Wir
können hoffen, daß er in die ewige Ruhe ein-
gegangen ist, hat er ja den Befehl des Herrn voll-
zogen:"Sei getreu bis in den Tod u. ich will
dir die Krone des ewigen Lebens geben."
Amen!
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