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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
WIRNHARTER LUDWIG
Den Heldentod für das Vaterland starb
am 31. Dez. 1917 im Garnisonslazarett in
München der Trainsoldat Jüngling Ludwig Wirnharter
Großhuberbauernsohn von Sprinzenberg, schnell
u. unerwartet in seinem 44ten Lebensjahre,
Feldzugssoldat. (Für ihn u. alle armen
Seelen werden heute Dienstag den 24. Januar
dahier in Otting die hl. Seelengottesdienste ab-
gehalten, wozu Freunde u. Bekannte, sowie die
Bruderschaftsmänner, die Kriegskameraden u.
die Mitglieder des Veteranen- u. Krieger-
Vereins zum Kirchgang gebeten werden)
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CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG!
Kaum 8 Tage sind vorüber - am vergang.
Samstage haben wir die entseelte Hülle des
guten Kirchenpflegers v. Kammer, Joh. Jahner von Siglberg
zu Grabe getragen - da versammeln wir
uns wieder zu einem ähnlichen Trauerfall,
es ist ein Kriegssoldat, dessen Gottesdienste wir
heute in unserer Pfarrkirche halten, nachdem
er den Heldentod für das Vaterland gefallen
ist, wenn auch nicht im Kriegsgetöse, sondern
im großen Garnisonslazarett in München,
in welchem er ärztliche Hilfe suchte bei seinem
schweren hoffnungslosen Leiden.
Es ist dies der tugendreiche Jüngling LUDWIG
WIRNHARTER, Trainsoldat, Großhuberbauernsohn
von Sprinzenberg, welcher
schnell u. unerwartet, im 44ten Lebensjahre
aus diesem Zeitlichen in das ewige Leben
wie wir christlich hoffen, hinüber-
gegangen ist. Am Schlusse des alten Jahres,
am 30. Dezemb. abend 1/2 11U. hat der Herr
über Leben u. Tod seine Seele zu sich abgerufen.
Vier Wochen lang vor seinem Tode war
er krank, u. 17 Tage brachte er im Lazarett
zu.
Nun, was soll ich sagen aus der Le-
bensvergangenheit unseres Ver-
storbenen Mitbruders. Von allen Seiten
her wurde mir erzählt, daß derselbe von
Jugend auf bis zu seinem seeligen Ende
ein echt christliches, gottesfürchtiges Leben
führte. Wenn er auch gerade nicht die
meisten Tage seines Lebens in seiner
Heimatpfarrei Otting war, so war er doch mit
Ausnahme seiner Militärzeit nahe
seinem väterlichen Hause, so in Otting,
im Pfarrhofe, wo er bis zu seinem 18ten Lebens-
Jahre verweilte, und im
nahen Waging, wo er 11 Jahre lang bei
H. Dr. Herb dortselbst das Fuhrwerk
versah, u. allüberall, wo er arbeitete
u. wirkte, erwarb er sich die Aner-
kennung und das Wohlwollen seiner Vor-
gesetzten. - Auch beim Militärstande, wo
er bei den schweren Reitern schon längst
vor unserem Kriege diente, war er beliebt
und geschätzt bei allen die ihn kannten. Ruhig u.
gelassen, wenn auch leider oftmals kränkelnd,
wandelte er seine Wege, in der Furcht des
Herrn und in der Liebe seines Gottes.
Von Jugend auf hatte er sich Tugend und
Gerechtigkeit angewöhnt; dies fand auch einen
äußeren Ausdruck; denn so oft es ihm gestattet
war, suchte er das Gotteshaus auf im
nahen Waging; dort sah man ihn in Andacht
an den Vormittagen u. wenn der Dienst es er-
laubte, auch nachmittags, dort fühlte er bei
seinem himmlischen Herrn Trost u. Hilfe in seinem
stillen Leiden, dort empfing er den Leib des Herrn,
dort das hl. Bußsakr., von dort her kam Friede
u. Ruhe in seine Seele.
Möge der gütige Gott, dem er treu ge-
dient hat in seinem irdischen Leben ihn aufgenom-
men haben mit den Worten:"Wohlan du guter
u. getreuer Knecht, will ich über vieles setzen,
gehe ein in die Freude deines Herrn!"
In den letzten Jahren u. Tagen mußte er noch
hinaus in den wilden Krieg. Treu u. willig
folgte er dem Rufe des Vaterlandes, ein wahrer
Streiter im Kriege. So lange er es vermochte,
widmete er Blut u. Leben seinem Vaterlande.
Und nicht unser verstorbener Mitbruder allein!
Um unsere Pfarrkirche ist recht würdig der Friedhof.
Da steht sie, unsere Kirche u. schaut gleichsam nieder
zu dem ernsten stillen Garten der Toten. Alles
ist hier einsam, ruhig u. schweigend; ringsumher
sehen wir Gräber, die Ruhestätte unserer Ent-
schlafenen. Groß u. Klein, hohe u. niedrige,
Arme u. Reiche, Freunde u. Feinde, Gerechte u.
Sünder, sie alle hat der Tod friedlich neben einander
gebettet. Grab reiht sich an Grab, u. Hügel an
Hügel, und unter ihnen schlummern unsere
Verwandte u. Freunde den tiefen Grabesschlummer
bis auf den großen Tag des Weltgerichtes.
Und wenn wir auch unseren verstorbenen Mitbruder
nicht in des Friedhofes Mitte haben,
wenn auch seine irdische Hülle ferne von seiner
Heimatstätte in einem stillen Grabe ruht, so
müssen wir doch sagen: Er ist einer der unsrigen
gewesen, und wir werden ihn nicht ver-
gessen, [es] werden seiner gedenken dort an dem Grabe
seiner Eltern u. Verwandten u. für ihn beten,
als wenn er hier im Grabe ruhte, werden
ihm oftmals nachrufen: O Herr, gib ihm
die ewige Ruhe u. das ewige Licht leuchte ihm!
Und nur noch ein Wort an Euch,
ihr jungen, christlichen Männer, die ihr im Kriege
schon gestanden seid oder bald zum
Kriege kommt, zeiget die gesetzte Reife eures
Alters, und euer Selbstgefühl bestehe nicht nur darin,
daß ihr mutvoll in die Schlachten gehet,
sondern vor allem darin, daß ihr Euch
während eures künftigen Soldatenlebens
als echte Soldaten Jesu-Chri. erweiset.
Vergesset nicht, daß die Gedanken des Vaters,
das sorgende Herz der Mutter euch auf Schritt u.
Tritt folgen. Und wenn es einmal mit dem
Kriege zu Ende geht - mögen euch dann Vater
u. Mutter, Bruder u. Schwester froh in die Arme
schließen in dem Bewußtsein: Unser Sohn, unser
Bruder, der ist nicht blos ein strammer Soldat
seines irdischen Königs geworden, sondern auch
ein wahrer Soldat Jesu-Christi geblieben.
Das walte Gott u. seine hl. Engel, die euch
beschützen mögen alle Tage eures Lebens!
AMEN!
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