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[Autor: Pfarrer Georg Binder ]
WIMMER JOSEF, Obersteffling
Am 7. Juli 1918 fiel den Heldentod
für das Vaterland der tugendsame Jüngling
JOSEF WIMMER, Davidsohn von Obersteffling,
Pfarrei Otting, Infanterist bei einem [1.] bayr.
Reserve-Inf.-Rgmt. 1. Komp. Feldzgssold.
in Folge eines Kopfschusses, in einem Alter
von 19 Jahren, auf den Schlachtfeldern
Frankreichs.
Für denselben finden heute dahier am
11. Sept. um 9U. (neue Zeit) in Otting die
hl. Seelengottesdienste statt mit Vigil-Requiem-
Beimesse-Lobamt u. Libera am Grabe
statt, welche Gott dem Herrn aufgeopfert
werden.
ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMLG.
Nun ist abermals ein Sohn unserer
Pfarrei den Heldentod gefallen, ein jun-
ger Krieger ist hinüber gegangen in das
Land der Ewigkeit, in dem jugendlichen
schönen Alter von 19 Jahren. Wie sehn-
suchtsvoll hat er gehofft, daß auch er
mit anderen Kameraden zurück kehren
werde in das liebe teuere Vaterland und zu seinen Eltern,
nun hat Gott der Herr auch seine Seele ab-
berufen von Erdenleid u. Erdenland, hat
ihn zu sich genommen in seine himml. Heimat.
Es ist dies der tugendreiche Jüngling
der Infanterist JOSEF WIMMER, BAUERSSOHN
ZUM DAVID IN OBERSTEFFLING, der durch einen
Kopfschuß an der Aisne Blut u. Leben
lassen mußte nach Gottes hl. Zulassung,
auf den Schlachtfeldern Frankreichs.
In den hl. Evangelien wird folgende Be-
gebenheit erzählt: Die 3 Geschwister Lazarus, Maria
u. Martha lebten glücklich u. zufrieden in Beth.
da plötzlich erkrankte Lazarus schwer u. die Schw-
estern schickten zum Heiland, er möge doch kommen u.
ihren Bruder gesund machen. Der Heiland aber
zögerte, u. als er nach 2 Tagen endlich aufbrach,
war Lazarus schon gestorben. Martha ging dem
Herrn entgeg. u. sprach: "Wenn du da gewesen
wärest, wäre mein Bruder nicht gestorben."
Jesus entgegnete:"Dein Bruder wird auferstehen; ich
bin die Auferstehung u. das Leben, wer an mich glaubt,
wird leben, auch wenn er gestorben ist, u. jeder der da
lebt u. an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit."
Darauf ging er zum Grabe des Lazarus u. rief
in das offene Grab:"Lazarus komm heraus!"
Und der Tote stand sogleich auf, u. der Heiland
gab den Schwestern ihren lieben Bruder Lazarus. -
Andächtige in Chro. dem Herrn: Etwas ganz ähn-
liches wie damals in Bethanien geht heute hier vor sich:
Unser lieber Bruder ist gestorben -
sagte Martha die dem Herrn entgegen ging
Unser Sohn ist gestorben, sagen die Eltern u. die Anverwandten des Gefallenen
Die Jugendjahre hat derselbe gut an-
gewendet, durch Fleiß u. Tüchtigkeit erfreute er
seine Eltern u. lebte mit denselben glücklich zusammen.
Da rief ihn der Krieg ins Feld und er fügte sich
willig in die Härten u. Stra[pa]zen des
Feldzuges. Einen kurzen Urlaub hatte er hinter sich,
da eilte er wieder auf das Schlachtfeld, u.
eines Tages, es war am 7. Juli dieses Jahres,
da traf ihn eine feindliche Granate an den Kopf
u. er sank tot zu Boden.
Die beiden Schwestern Maria u. Martha im hl.
Evangelium trauerten um ihren teueren Bruder,
und wer kann es den Eltern u. Anverwandten des nun Gestorbenen
verdenken, der als der einzige Sohn des Hauses
auf dem Schlachtfelde fiel, wenn auch sie trauern um ihn,
wenn sie zum Heiland klagen u. sagen: "Herr, hättest
du unseren Sohn nicht erhalten können? Warum hast
du unseren einzigen Sohn sterben lassen, so jung, so bitter?
Die Antwort darauf steht in der hl. Schrift in der heiligen
Totenmesse. Sie lautet:"Der Herr hat euren Sohn
weggenommen, der Herr wird ihn wieder geben, wie
es dem Herrn gefallen, so ist es geschehen; der Name des
Herrn sei gebenedeit!" Aus den Briefen, welche
Wimmer vom Felde aus schrieb, ist erkenntlich, daß er
öfter die hl. Sakramente der Buße u. des Altars emp-
fangen habe, u. dies ist ein großer Trost für dei Hinterbliebenen.
So hat er sich wohl immer vorbereitet gehalten für
die Ewigkeit - diese Vorbereitung war zum Heile seiner
unsterblichen Seele, zumal er auch ein frommer Sodale der Marian, Kongreg. war.
Wann ist der Mensch besser vorbereitet als beim
Gang in die Schlacht, wo er dem Tod auf Schritt u. Tritt
in die Augen schaut, wo Reue über die Sünden so nahe
liegt, wo die Generalabsolution erteilt wird, wo
Gottes Barmherzigkeit herab kommt, wo man sein
Leben für Gott, Kaiser u. Vaterland aufs Spiel setzt!
Gott weiß, was seiner gewartet hätte, wenn
er nicht gefallen wäre; sicher ist, der Herr nahm
ihn hinweg zur rechten Zeit, am rechten Orte und
auf jene Weise, wie es ihm u. anderen zum Heile war.
Als Lazarus schon gestorben war, sagte der
Herr zu [den] Aposteln: "Lazarus, unser Freund, schläft,
aber ich gehe hin um ihn vom Schlafe aufzuwecken."
Dasselbe sagt der Herr auch zu euch, ihr lieben Angehörigen des jetzt
Verblichenen - das sagt der Herr auch zu euch.
Josef Wimmer schläft zwar jetzt den Schlaf des
Todes, aber ich werde kommen, ihn am Jüngsten
Tage von den Toten aufzuwecken. Denn es
wird die Stunde kommen, wo alle, die in den
Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören.
u. daraus hervorgehen werden zur
Auferstehung des Lebens. Dann werdet ihr
euren Bruder u. Sohn, wie wir alle hoffen,
in einem neuen, besseren Leben wiedersehen,
u. zwar nicht blos auf ein paar Jahre Erden-
zeit, wie Martha u. Maria ihren Bruder
wiedersahen, sondern wie wir hoffen, auf
immer u. ewig im schönen Himmel. Das sei in diesen bangen Tagen unser Trost.
Bis dahin wollen wir es nicht unterlassen,
für die Seele des teueren Gefallenen zu beten,
damit sie, wenn sie jetzt noch in den Leiden des
Fegfeuers zurückbehalten ist, recht bald aus
dem Reinigungs-Orte befreit werde und zur
Anschauung Gottes gelange.
AMEN!
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