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Am 22. Nov. 1916 verunglückte eines
raschen Todes beim Heben eines Baumstammes
der Feldzugssoldat JOHANN BADERHUBER, Miggl-
sohn von Großscherzhausen, Jäger der 2. Komp.
des 3. Jäger Inf. Rgmts, 20 Jahre alt, gest. 22. Nov.
1916; begraben im Friedhof zu Fajna Wolgy im
Vaser-Tal in den Karpaten. Gottdst. in Otting 12. Dez. 16
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CHRISTL. TRAUERVERSAMMLUNG
Was der göttliche, um das Heil der
unsterblichen Seelen so sehr besorgte Heiland einst
mit Worten predigte: "der Menschensohn wird
zu einer Stunde kommen, wo ihr es am wen-
igsten vermutet," das predigt er heutzutage
gar oft mit Taten. Er nimmt bald da, bald
dort einen Menschen aus unserem Kreise hinweg,
läßt ihn plötzlich sterben oder schickt ihm eine schwere
Krankheit, die ihm den raschen Tod vermuten
läßt,... oder einen jähen Tod, u. erinnert sie so
mit allem Nachdruck an die unerschütterliche Wahr-
heit: "der Menschensohn wird kommen zu einer
Stunde, wo ihr es am wenigsten vermutet!"
Erst vor wenigen Tagen, am 1. Adventssonn-
tage, haben wir im hl. Evangelium die Worten
vernommen: "Wie der Leib vom Aufgange[aus]
ausgeht u. bis zum Niedergange hinleuchtet
so wird auch die Ankunft des Menschensohnes
sein."Sehet! So schnell kann es mit Menschen-
leben zu Ende gehen! ein so gebrechliches feinfühliges
Ding ist das menschliche Leben, auf das wir
oft soviel bauen!" "Heute ist der Mensch", sagt
der selige Thomas von Kempen "am Leben, u. morgen
kommt er nicht mehr zum Vorschein; heute ist er
noch frisch u. gesund u. morgen trägt man ihn
schon zu Grabe."
In Altötting stand auf einer großen alten
Pendeluhr der Stiftskirche ein knöchernes,
klapperndes Männlein, der Tod, der Tag und
Nacht mit seiner Sense mähte und mit jeder Pen[del]-
schwingung der Uhr eine Schwingung mit
seiner Sense machte, um anzudeuten, wie viel
u. wie schnell der Tod arbeitet, ruhelos und
rastlos, jedesmal ein Menschenleben abschneidend.
Meine lieben Teueren! - So ist es auch in Wirk-
lichkeit geschehen von Anfang der Welt bis auf
den heutigen Tag, - mit jeder Sensenschwingung
ein Menschenleben, aber jetzt in der schaurigen
Kriegszeit geht es schneller, tausende und tau-
sende, die kaum zu zählen sind, sind dahinge-
rafft worden - der Tod mähte fort schneller
als jemals u. konnte weder Rast noch Ruhe finden.
Wie mutig sind unsere Soldaten ausge-
zogen in den Krieg u. wie schnell stand der
Tod vor ihnen? Auch unserem lieben Mitbruder
ward das Los beschieden, sein Leben zu lassen
im Kriege, in der Blütezeit seiner Jugend,
in der Vollkraft der Jahre zog er in hl. Begei-
sterung in den Krieg, der tugendreiche Jüng-
ling JOHANN BADERHUBER, Migglsohn v. Großscherzhsn.
Feldzugssoldat beim 3. bayr. Jägerregmt. 2. Komp.,
er - die Hoffnung u. Stütze seiner Eltern, der den-
selben so gerne die Sorgen u. Arbeiten des Lebens
u. des Alters erleichtert hätte - er war ja
ein guter Sohn - aber das Vaterland hat ihn
aufgerufen u. er folgte dem Rufe in Gehorsam,
wie es der fromme Hauptmann von Kapernaum
von SEINEN Soldaten schon gesagt hat: "Wenn ich
zu einem sage komm! so kommt er u. geh! So
geht er!"
Am 25. Jan. dieses Jahres rückte er ein
bei seinem Rgmt. in Neuburg a. D., kam
dann am 14. Juni nach Immenstadt, wo er
seiner lieben Alpenwelt wieder näher kam,
dann wieder zurück am 28. Juni nach Neuburg,
u. am 12. Juli rückte er mit seinem Rgmte.
ab an die Front, zuerst nach Frankreich u. dann
in die Karpaten.
Und hier wartete nun der Tod auf ihn!
Nicht mit Bomben u. Granaten wollte er
ihn zerschmettern, - nein ein anderer Fall
war es, durch welchen er ihm das Leben nahm;
der gute Jüngling verunglückte beim Heben
eines Baumstammes, unter welchen er fiel; es
war eine schwere Lungenblutung, die ihm
Kraft u. Leben nahm. Er wurde in ein
würtembergisches Lazarett aufgenommen, wo
ein Stabsarzt mit Namen Dr. Schmid sich seiner
mit Wärme annahm u. für ihn sorgte; am
23. Nov. wurde der Verstorbene im Friedhof
zu Fajna Wolgy im Vaser-Tal in den Kar-
paten beerdigt, u. zwar mit kirchlichen und
militärischen Ehren. - Nach Mitteilung des Stabs-
arztes war sein Tod schmerzlos. - Er war
20 Jahre alt.
Ein Seelenkundiger Mann sagt von ihm:
"Er war ein Jüngling von scharfem Geiste, her-
vorragend durch Körperkraft sowohl als auch
durch Reinheit der Sitten." - Ja, durch Reinheit
der Sitten. - In einem seiner letzten Briefe schrieb
er seinen Eltern: "Jetzt habe ich gebeichtet und
kommuniziert"; das ist ein großer Trost für
Eltern u. Geschwister u. alle diejenigen, die
dem Verstorbenen nahestanden im Leben.
Könnten wir alle, die wir heute hier
versammelt sind, also sagen! Sie würden es
empfinden, welch ein Trost in diesen Worten liegt,
welche Hoffnung in denselben ausgesprochen ist,
nachdem der Herr im hl. Evangelium selber sagt:
"Seelig sind die reinen Herzens sind, denn Sie
werden Gott anschauen!"
Möge diese Reinheit seines Herzens, die
Tugendhaftigkeit seiner Seele, der innige
Glaube, der ihn beseelte, die tiefgründige
Religiosität, die ihn immer auszeichnete, die Gottes-
furcht, durch welche er vielen zur Erbauung ward,
-die Tore des Himmels geöffnet hat, möge er
jenes selige Wort schon aus dem Munde seines göttl.
Herrn u. Meisters vernommen haben: "Du warst
getreu bis in den Tod: so will ich dir die Krone
des ewigen Lebens geben!" Amen!
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