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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
STEINMAßL JOHANN
Auf dem Felde der Ehre verstarb am
25. März des laufenden Jahres [1918] der Feldzugs-
soldat JOHANN STEINMAßL, aus dem Hause
Steinmaßl zu Oberhalling in einem Alter
von 31. Jahren, 2Mt. - Er gehörte dem 1.
bayr. Infant. Rgmt. und der 2. Kompagnie an
in einem Lazarett starb in Folge einer schweren
Verwundung in Folge Halsdurchschusses.
Seine Leiche wurde in einem Holzsarge in
einem Einzelgrab auf dem Militärfriedhofe
zu Origny in Frankreich beerdigt.
Die hl. Seelengottesdienste für denselben finden heute 14. Apr.
dahier um 8U vormittags statt (Montag 15. Apr.) - mit Vigil,
Requiem-Beimesse-Lobamt-u. Libera an der Tumba [=Scheinsarg] statt,
wozu Freunde u. Bekannte, sowie der Veteranen- u. Kriegerver.
der Arbeiter- u. Unterstützungsverein St. Leonh. Weibhsn, die freiwill.
Feuerwehr u. die Kriegssoldaten zum Kirchgang gebeten w.
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Das Allerseelenbrdschftsamt später!
CHRISTLICHE TRAUERVERSAMLG.
Der traurige Fall, der uns heute hier im Gottes-
hause versammelt hat, bringt uns wieder so recht
lebendig das Wort des Herrn nahe:"Seid bereit,
denn zu einer Stunde, wo ihr es am wenigsten
erwartet, wird der Sohn des Menschen kommen."
Diesmal gilt es einem verheirateten Manne,
welcher nach Gottes Zulassung durch den grausigen
Krieg von der Seite einer treuen Ehegattin von
diesem trübsalvollen Erdenleben hinweg gerissen
wurde, Gattin u. Kinder in Traurigkeit zurücklassend.
Dieses Mal ist es der ehrengeachtete JOHANN
STEINMAßL VON OBERHALLING, welcher durch Hals-
durchschuß einer schweren Verwundung erlag.
Seine Leiche wurde fern von seiner Heimat recht
schonungsvoll in einem Holzsarge in einem
Einzelgrabe auf dem Militärfriedhofe zu Origny
beerdigt, allwo er nach dem hl. Willen Gottes
die Auferstehung der Toten erwartet.
[zu einem späteren Zeitpunkt ergänzter/alternativer Text:
Er ist in einem
Holzsarge in einem Einzelgrab auf dem Militärfriedhofe in
Origny beerdigt.- War in Garnison.- Das Grab ist durch ein
Holzkreuz mit dauerhafter Inschrift kenntlich gemacht. Irgend-
welche Wünsche hat der Verstorbene nicht mehr geäußert. - Hatte noch ...]
Vor einigen Wochen haben wir in unserer Kirche
das Grab des Erlösers aufgesucht u. dort ge-
betet:"Bewahre mich o Herr, denn auf dich habe
ich gehofft", und aus dem Grabe
heraus haben wir förmlich die Stimme
des Herrn des göttl. Heilandes vernommen:"Die Nacht des Todes hat
mich verschlungen, meine Feinde glaubten mich
vernichtet;" aber mit Zuversicht spricht er
zu uns:"Mein Fleisch wird ruhen in der
Hoffnung, denn du wirst meine Seele nicht
in der Unterwelt lassen u. deinem Heiligen nicht
zu sehen geben die Verwesung!"
Und hoffnungsvoll atmet alles auf;
sie glauben, das Kriegsgebet unseres Volkes
zu vernehmen:"Beim Herrn ist Heil! Darum
möge, o Herr, dein Segen über deinem Volke
ruhen, in meiner Bedrängnis habe ich zum
Herrn gerufen u. er hat mich erhört."- Ostern
war gekommen u. der Jubelgesang der österlichen
Festeszeit.
[Fortsetzung ergänzter/alternativer Text von Seite 1:
1 Brieftasche mit Inhalt - 1 Portmonaie mit 20M 15Pf - 1 Uhr mit Kette
1 Zigaretten Etui - 1 Notizbuch - 1 Taschenmesser
Chefarzt?!? Stabsarzt ]
Eine fröhliche Jubelzeit u. glückliche Rückkehr, u.
hoffnungsvolles Wiedersehen hat unser verstorb.
Mitbruder in Gott dem Herrn gehofft; und nun
ist [es] anders gekommen. Es hat der liebe Gott ihn
herausgenommen aus der großen Zahl der Krieger-
scharen, hat ihn wohl hinübergeleitet in das
Land der Ewigkeit.
Und wenn er auch in seinen schönsten Blüten-
Jahren fortmußte, so müssen wir doch sagen, der
Herr hat ihn geholt, weil er ihn brauchte, denn
er gab in Wirklichkeit ein schönes Beispiel un-
verbrüchlicher Treue gegen seine hl. Kirche, am Bei-
spiel des Gehorsams gegen seine Eltern, ein Beispiel
der Werktätigen Liebe, am Beispiel aber auch
eines tapferen u. gehorsamen Kriegers, so daß
auf ihn die Worte der geheimen Offenbarung
angewendet werden können:"Weil du treu
befunden wurdest bis zum Tode, - will ich dir
die Krone des ewigen Lebens geben."
Und er hat das Leben eines guten Christen
stets hochgehalten. - Wie schön war der
Verkehr zwischen ihm u. seiner Frau u. seinen Angehörigen. So spricht er
in einem seiner hinterlassenen Briefe: Sobald ich
wieder schreiben kann, schreibe ich dir gleich: Bete
nur zu unserer lieben Frau, daß ich wieder gut heim-
komme, dann wird's schon recht gehen! Mache dir
deshalb keine Kümmernisse, es wird schon recht,
wie es sein soll, wie es Gott haben will."
Der christl. Sinn ist immer wieder bei ihm her-
vorgetreten, so meldet er nach Hause: "Morgen
früh müssen wir in die Kirche, u. werden mit
einem Lastauto abgeholt; werde auch für
dich beten, daß alles gut vorüber geht."
Ein schöner Zug von ihm ist es auch, daß
er seine Angehörigen - besonders seiner Frau - angewiesen, jetzt eine
Zeitlang nichts mehr zu schicken; erst später
wieder; er hätte auch nicht erwartet
daß seine Frau sich so sehr kümmere u. sorge für ihn.
"Vielleicht komme ich doch bald heim; zu
Hause ist es auch am besten; bisher habe ich
Glück über Glück gehabt, bin immer sehr zu-
frieden; kann es unserm Herrgott nicht ge-
nug danken. Ich bete alle Tage um eine
glückliche Heimkehr zu meinen Anver-
wandten. Unsere liebe Frau von Mühl-
berg wird mich beschützen u. durch das feind-
liche Feuer führen. - Gestern waren wir
in einer schönen Kirche übernacht einquar-
tiert. Habe immer an euch gedacht u. habe
im Stillen gebetet" und ab und zu hatte er
auch Gedanken an den Tod, ist aber auch
wieder in der festen Hoffnung gewesen, daß er
gewiß zurückkehren werde.
Und er kehrte nicht mehr heim, u. wir
alle, die wir hier in Trauer versammelt
sind, wollen dem guten, teueren u. tapferen
Soldaten, der gewiß in Gott gestorben ist, in
die Ewigkeit hinüber rufen: "O Herr gib
ihm die ewige Ruhe u. das ewige Licht
leuchte ihm, Herr laße ihn ruhen in Frieden.
AMEN!
R.I.P.
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