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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Feldzugssoldat SEB. GEISBERGER, Doffensohn in
Miesenböck, gefallen beim Sturmangriff
in der Schlacht bei Verdun in Frankreich
am 12. Juni 1916
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ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG!
Eine geraume Zeit ist es her, seit wel-
cher aus unserer Pfarrei kein Soldat mehr fiel.
Im Januar dieses Jahres wurde in der Pfarrei,
u. zwar im Filialgotteshaus in Kammer der
letzte Seelengottesdienst gehalteb für einen gefallenen Krieger, den
Feldzugssoldaten Thomas Wagnerberger.
Förmlich gesegnet erschien unsere Pfarrei, weil
eine solche Trauerkunde nicht mehr gekommen war.
Und nun, wie ein Blitzstrahl vom heiteren
Himmel ist die Trauerkunde eingetroffen, daß
wieder einer von den unsrigen durch den
grausigen Kriege, in der Blüte seiner Jahre,
in der Kraft der Gesundheit, einer der besten
Burschen der Pfarrei, gefallen ist für das Vater-
land, für die Heimat, für seine lieben Angehörigen.
Wie willig hat er gearbeitet bei seinen
Eltern, wie hat er sich ferne gehalten von den
unnötigen Vergnügungen der Kameraden,
die manche Gefahren für sie brachten, wie
hat er als guter Christ gelebt u. gewirkt,
auch den Gottesdienst besucht an Sonn- und
Feiertagen,wie ist er seinen Eltern immerfort
gehorsam gewesen, nach dem Beispiele des
himmlischen Gottessohns im Hause zu Nazareth,
aber auch wie mutig u. trosterfüllt ist er
in den Krieg gezogen, als das Vaterland
ihn rief, die ganze Zukunft in die Hand
seines Herrn u. Meisters zu legen nachdem
er vor seiner Abreise in die Fremde durch den Empfang der hl. Sakramente
sich gestärkt u. die Seele auch gekräftigt hatte.
Es hat mich angenehm berührt, als er bei
mir noch Abschied nahm; so frisch und
frohgemut, wie ich es selten sah, zog er hinaus,
u. was er zu Hause sich angewöhnt hatte,
gehorsam gegen seine Eltern, das übte er
auch im Kriege. - Willig u. getreu hat er auch hier
die Befehle seiner Vorgesetzten er-
füllt, so daß die Kompagnie durch
den Feldwebel ihm das ehrende Zeugnis
ausstellen konnte, welches an seine Eltern kam:
"Unser bester Kamerad ist den Helden-
tod gestorben. Bei einem Sturmangriff
mußte der Tapfere sein junges Leben lassen"
die Kompagnie fühlt es, daß sie einen
guten Menschen verloren hat, u. das herzlichste
Beileid folgt dem Gefallenen nach in
das Grab.
Ja! wahrhaftig, er hat alles hin-
gegeben, hat sich geopfert zum Wohle
und zur Rettung vieler; hat sein blühendes
Leben auf den Opferaltar gelegt und
gewiß - kein Wort des Unmutes ist
dabei über seine Lippen gekommen.
Aber nun! Die Eltern haben einen gu-
ten Sohn verloren, die Geschwister einen guten
Bruder; das verwandtschaftliche Band,
das sie zusammengehalten hat, ist zerrissen;
der bittere Krieg hat ihnen allen eine
nicht leicht vernarbende Wunde geschlagen.
O, mögen sie daran denken, was
einst der geduldige Job sagte, als Unglück
u. Leid u. Elend aller Art über ihn gekommen
war:"Was Gott tut, das ist wohlgetan;
der Name des Herrn sei gebenedeit."
Wer weiß, was aus unserem verstorb.
Mitbruder geworden wäre, wenn Gott
ein längeres Leben ihm geschenkt hätte!
Auch die besten sind gefallen, wenn der
Versucher über sie kam.
Aber der Krieg, das wissen wir, hat auch eine führende
Kraft, die Soldaten
müssen ja der Mühen und Strapazen genug er-
tragen, - u. wer möchte zweifeln, daß der
gute Verstorbene nicht öfter eine gute Meinung,
eine Aufopferung all der Kriegsleiden in
der Stille seines Herzens gemacht hat, die seine
Seele gerettet haben.
Sein Leib ruht jetzt weit in der Ferne
in einem gemeinsamen Grabe bei guten
Kameraden, - aber seine Seele ist an
jenem Tage, da er den Heldentod starb,
vor den lieben Gott hingetreten u. der
liebe Gott hat den treuen Krieger freundlich
angeschaut, weil er so tapfer gewesen,
u. für das Vaterland so viel gelitten
hat. - Und jetzt breitet er von dort her
seine Hand schützend aus über Euch,
daß es Euch auf Erden gut gehe, daß
Ihr christlich bleibt und fromm,
und einst zu ihm hinauf kommt in den
schönen Himmel.- AMEN
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O Eltern und Geschwister mein,
Ich kehre nicht mehr zu euch heim,
der letzte Gedanke, der letzte Blick,
Sie eilten noch zu euch zurück.
Als ich starb im Feindesland
reichte niemand mir die Hand,
doch eh' mein Auge war gebrochen
da sah den Himmel ich schon offen!
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