|
BAYERL JOSEF
Auf dem Felde der Ehre starb in
Folge eines Granatschusses am 11. Mai
dieses Jahres [1918] im Alter von 37 Jahren der
tugendsame Jüngling JOSEF BAYERL, Bauers-
sohn von Großreut durch einen feindlichen
Artillerie-Schuß, Soldat des Bayr. Res.
Inf. Rgmts No.10
Für denselben finden am Donners-
tag 13. Juni vormitt. 9 Uhr (neue Zeit) der
[Anmerkung zu "neue Zeit": Deutschland war am
30. April 1916 weltweit das erste Land,
das die Zeitumstellung einführte, um in der
Rüstungsindustrie und Landwirtschaft künstliches
Licht und damit Kohle einzusparen. Nach dem Ende
des Ersten Weltkriegs wurde die Sommerzeit in
der Weimarer Republik zunächst wieder abgeschafft
und erst 1940 erneut eingeführt.]
hl. Seelengottesdienste statt mit Vigil-Requiem,
Beimesse, Lobamt u. Libera in der Kirche,
wozu Freunde u. Bekannte, sowie der Veteranen-
& Kriegerverein, die freiwillige Feuerwehr u.
die Mitglieder (Sodalen) der Marianisch. Kongreg.
um den Kirchgg. gebeten werden. Man bittet um 2 V.
der Rosenkranz findet am 16. Juni nachm. 2h [statt]
das Bruderschaftsamt wird später gehalten.
ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG
schon oftmals haben wir an dieser heiligen
Stätte, am Hohenaltar des Herrn, gefallener
Krieger dankbar gedacht, u. jedesmal
war das Gedenken ein schmerzvolles;
ganz besonders aber ist dies der Fall, wenn
der Mann in den schönsten Lebensjahren,
in der Zeit der Arbeit u. Werktätigkeit
heraus gerissen wird aus der Zahl seiner
Angehörigen, wenn er [er] fort muß in
den grausigen Krieg, mitten aus den
besten Jahren heraus, wenn er keinen
Augenblick sicher ist, ob nicht der Tod auf ihn
lauert. - Unser Held fiel im schönsten
Lebensalter, im Alter von 37 Jahren,
zu einer Zeit, wo er seine ganze Mannes-
kraft so recht entfalten konnte. Von
den Tagen seiner Jugendzeit widmete er
seine ganze Kraft seinem väterlichen An-
wesen. Er zeichnete sich aus durch Fleiß
u. Sparsamkeit; und frei von schweren Sor-
gen konnte er getrost in die Zukunft sehen.
Da kommt der entsetzliche Krieg u. nimmt
ihm alles, selbst das Leben.
Der gefallene Soldat ist der Jüngling JOSEF
BAYERL, Bauerssohn von Großreut, Soldat
des bayr. Reserve Inf. Rgmts No. 10, welcher
durch einen feindlichen Artillerieschuß dem Feinde
zum Opfer fiel. Er war Inhaber des eisernen
Kreuzes 2. Klasse.
Wie hatte er nicht gehofft, daß er bald
wieder zurückkehren könne in seine liebe
Heimat, wo er aufgewachsen war, wo
er alle kannte, wo er sich fröhlich fühlte,
wie der Vogel in der Luft. Seine Hoffnung
war leider bald vernichtet. Er mußte fort in
den Krieg, nachdem er volle 21 Jahre seinem
väterlichen Hause als Dienstknecht treu gedient hatte, immer
ruhig, arbeitsam & tätig, aber auch
immer gehorsam u. eingezogen gegen seine Eltern
und folgsam, er schaute immer auf Haus und
Hof, darum sah man ihn nicht leichtsinnig u.
niemals traf man ihn streunend an, und
ein ernster Charakter bildete sich nach u. nach
auf seinen Gesichtszügen.
Nun kam das Scheiden! Am 1. Juli 1915 nahm
er schweren Herzens Abschied von seinem väterlichen
Hause, er wurde nach Kempten berufen. Nach etlichen
Wochen kam er dann nach Freising, wo er bis Oktober
1915 war.- Dann ging es weiter bis Dez. zur
weiteren Ausbildung; im März 16 berief ihn die Pflicht
in die Vogesen, wo die Lebensgefahr für ihn begann.
Oktob. 16 kam er zur Maschinengewehr-Kompanie, u. im
Nov. teilte er seinen Angehörigen mit, daß er in der Gegend
von Somme sei.Von da kam er in die Gegend vieler
großer Städte, wie Cambrai, Peronne - St. Quentin u. Reims.
Gegen Weihnachten zu erlitt er am Fuß eine starke Ver-
letzung durch einen gefrorenen Fuß und kam zuerst in ein
Feldlazarett, weil er auch Typhuskrank war.
Während dieser Krankheit erhielt er die Trauerkunde,
daß seine liebe Mutter nicht mehr unter den Lebenden sei.
Tiefe Trauer kam über ihn, er konnte
sich längere Zeit gar fassen, erst ein späterer
Erholungsurlaub brachte ihn wieder in
das Gleichgewicht. Die Pflicht rief ihn wieder
in den Krieg, noch hatte er Zeit auf kurze Tage,
daß er noch einmal heimkam, da tröstet er
seine Angehörigen mit den Worten:"Man muß
sich halt denken "in Gottes Namen, wir gehören
jetzt dahin" Von dieser Zeit an kam er nach
Flandern in die Nähe von Ypern, u. während dieser
Offensive erreichte ihn das Unglück, unter schreckl.
Strapazen fiel er am 11. Mai 1918 nach braver
Pflichterfüllung; er fand den Tod für das Vaterland.
Das eiserne Kreuz erhielt er dort in Flandern
auf unbekanntem Boden. Der Herr gebe ihm
die ewige Ruhe und das himmlische Licht der Welt!
Von ihm sagt ein Lieutnant:"Er hat den Tod
gefunden für sein Vaterland u. war uns allen
ein guter Kamerad und ein tapferer Soldat. Die
Kompagnie verliert in ihm einen ihrer Besten";
Am 11. Mai abends starb er, ohne das Bewußtsein
wieder erlangt zu haben; Schmerzen verspürte er
nicht mehr.
Und am Abend des selben Tages wurde er
mit allen militärischen Ehren auf einem Soldaten-
friedhof bei Favrevill (bei Baupaume) be-
erdigt. Ein Geistlicher beerdigte ihn auf dem
geweihten Friedhof. - Von ihm sagte auch
seine Mutter:"Josef hat mir noch nie
einen Verdruß bereitet" u. seine fast immer
leidende Schwester hat ihren guten Bruder
verloren und ist ihm in die Ewigkeit hinüber
[ihm] noch dankbar, wenn der Bruder ihr,
vom Priester begleitet, das Allerheiligste brachte;
und wenn es zum Scheiden kam, wieder
alles was im Hause war. Er hatte einen
guten Geist in demselben eingeführt.
Unser lieber Held starb eines schnellen,
ehrenvollen und guten Todes; wer oft Zeuge
sein muß, wie bitter und schwer der langsame
Tod zu Hause ist, wie sich die Sterbenden oft
Tage u. Stundenlang in Fieberschreien und
Todesqualen wälzen, wie Todesangst ihre
Seelen befällt u. ihnen den Todesschweiß
auf Stirn und Wange preßt - der muß jene Soldaten
um ihr Schicksal beneiden, die plötzlich u. schmerz-
los von einem feindl. Geschoß dahingerafft werd.
u. eines so schmerzlosen Todes starb unser Held.
Sein Tod war auch ehrenvoll, u. wer in Ehren
stirbt, der bleibt in Ehren für immer: "Aber was die
Hauptsache ist: sein Tod war gut, wie wir
wohl sicher hoffen dürfen, denn er traf ihn nicht
unvorbereitet. Unser Krieger tat schon im Frieden
seine religiöse Pflicht, er versäumte sie auch im
Kriege nicht. Er starb in treuer Erfüllung seiner
soldatischen Pflicht für Gott, König u. Vaterland.
Wie sollte ihm der Herr dafür nicht gnädig gewesen
sein? Und trösten wir uns mit dem Gedanken:
"In diesem Falle auch ist es Gottes hl. Wille,
was Gott tut, das ist wohlgetan: der
Name des Herrn sei gebenedeit!"
Amen!
|
 |