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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Am 26. Juni 1917 fiel auf dem Felde
der Ehre den Heldentod der ehrengeachtete
HERR JOHANN KUCHLBAUER, Gastwirt in Weib-
hausen, Landsturmmann bei einem bayr. Fußartill.
Baon. im Alter von 43 Jahren, in den Kämpfen
gegen Frankr., nach 2 jähr. treuer Pflichterfüllung.
Er wurde auf dem Soldatenfriedhofe in Staden in
Belgien kirchl. beerdigt. - die hl. Seelengottesdienste
wurden in Otting am 11. Juli 1917 abgehalten. (Verheiratet.)
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CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG!
Der traurige Fall, der uns heute hier
im Gottesdienste versammelt hat, bringt uns
wieder einmal so recht lebhaft in Erinnerung
an das ernste Wort des Herrn:" Seid bereit,
denn zu einer Stunde, wo ihr es am wenigsten
erwartet, wird der Menschensohn kommen!"
Diesmal gilt es einem verheirateten
Manne, welchen Gottes Wille durch den
grausigen Krieg hinweggerissen hat von der Seite
einer treuen Gattin, weggenommen hat
von seinen Kindern.
Es ist dies der ehrengeachtete Herr Johann
Kuchlbauer, Gastwirt in Weibhausen, Feldzugs-
soldat, Landsturmmann bei einem bayr. Fuß-
Artillerie-Batlon., welcher in einem Alter von
43 Jahren in den Kämpfen gegen Frankreich
nach 2jährig. treuer Pflichterfüllung sein Leben
und sein Blut hingegeben hat für sein Vater-
land u. seine Heimat, getroffen von einer Granate.
Schmerzlich bleibt der Tod immer, er mag
in jungen oder in alten Tagen kommen, - aber
am schmerzlichsten ist er dann, wenn er den
Mann herausreißt mitten aus den besten Jahren
seiner Kraft, mitten aus seiner vielversprechenden
Wirksamkeit. Unser Held fiel im schönsten Mannes-
alter von 43 Jahren zu einer Zeit, wo er so recht
seine ganze Manneskraft erst entfalten konnte.
Durch Fleiß u. Sparsamkeit hatte er es zu einer
guten Wirtschaft gebracht u. sein Geschäft fing an
sich zu vergrößern. Frei von schweren Sorgen
konnte er getrost in die Zukunft schauen, da
kommt dieser entsetzliche Krieg u. nimmt ihm das
Leben. - das ist schmerzlich und bitter.
Der Verstorbene war 2 mal verheiratet,
in erster Ehe mit Maria Fenninger von Halla-
bruck, u. aus dieser Ehe gingen 3 Knaben her-
vor, die jetzt verwaist den gefallenen
Vater beweinen, u. in 2ter Ehe mit Frau Kathar.
Fenninger, Maierbauerntochter von Plattenberg,
die jetzt allein die Sorge für Haus u. Hof,
u. für die Erziehung der Kinder tragen muß.
Die 2te Ehe war glücklich, wie auch die erste,
Liebe u. Friede u. Eintracht herrschte im Hause,
wie es wohl schöner kaum sein kann. Nun
kam der Ruf ins Feld; schweren Herzens
nahm er Abschied von den Seinigen, aber
auch voller Hoffnung auf baldiges Wieder-
sehen in seiner Heimat. Gott hat es anders
gefügt; der grausame Tod auf dem Schlacht
feld hat ihn hinweggerafft und er liegt
nun fern von seiner Heimat begraben.
Wie sehr er aber geschätzt war beim
Heere, das spricht sich aus in einem Briefe,
welcher ein Lieutnant seiner militärischen Ab-
teilung an die trauernde Witwe in die Heimat schrieb,
u. welcher also lautet: - "Die Batterie muß Ihnen
leider die traurige Nachricht übermitteln,
daß Ihr Gatte am 26. Juni nachm. 6 Uhr in der
Feuerstellung bei Mangelare, nördlich von Ypern
durch Granatsplitter am Kopfe schwer verletzt
worden ist. Es wurde ihm sofort ein Notverband
angelegt, worauf er in den nahe gelegenen
Sanitäts-Unterstand verbracht wurde. Auf
dem Wege dorthin ist er jedoch seiner schweren
Verletzung erlegen; er starb eines ruhigen,
quallosen Todes.
Mit ihm ist einer der besten Soldaten, sowie
ein guter Kamerad aus unserer Mitte gerissen
worden. Die Batterie wird ihn als Helden zu
schätzen wissen u. ihm ein dauerndes Anden-
ken bewahren. - Im Namen sämtlicher Offiziere,
Unteroffiziere u. Mannschaften spreche ich Ihnen
mein herzlichstes Beileid, sowie die Anteilnahme
an dem großen Schmerze über den herben Verlust
ihres Gatten aus."
"Die Beerdigung fand am 28. Juni nachmitt. 4 Uhr
auf dem Soldatenfriedhof in Staden, Station bei Tor-
baut in Belgien mit 2 weiteren Kameraden der
Batterie unter zahlreicher Beteiligung von Offizieren
u. Mannschaften u. Kolonnen des Batallions, sowie
unter den Klängen eine Musikkapelle u. bei geistli-
chen Beistand statt."
Ein Feldgeistlicher, der in Flandern stationiert
ist, fügt diesem Briefe noch folgendes an: "Bei
unseren letzten Kämpfen ist leider ihr Ehemann, der
Obergefreite Joh. Kuchlbr. durch Granatfeuer ge-
tötet worden. Wir haben ihn heute auf dem Fried-
hofe in Staden im Grabe 672 bestattet. - Möge Gott
Sie in Ihrem Schmerze trösten u. stärken. Ihr Mann
hat für uns das schwerste Opfer gebracht.
Gott wird ihm seinen Soldatentod als höchstes Verdienst
anrechnen, u. dieses Verdienstes wegen durch die
Hinterbliebenen segnen! Für die Seelenruhe des Toten
werde ich am Altare noch besonders beten."
Unterzeichnet ist: R. Quiskamp, Feldgeistlicher.
Ein guter Kamerad schrieb außerdem noch:
"Die 3 Pakete, die Ihr Eurem lieben Mann geschickt
habt, haben wir von unserem Wachtmeister be-
kommen, weil wir ihn auf den Verbandplatz ge-
bracht haben, u. wir danken herzlich. Er hat
noch eine halbe Stunde gelebt, bevor wir auf
den Verbandplatz gekommen sind. Er war ein
braver Mann; Gott lasse in ruhen in
fremder Erde!"
In seinen früheren jungen Jahren war
unser Mitbruder Soldat beim 1. Schweren
Reiterregiment in München, volle 3 Jahre; u.
hernach, als er im nahen Schloß Gessenberg im
Dienste stand, kam er als Reitersmann durch
unglücklichen Sturz vom Pferde 2 mal an den Rand des
Grabes; der liebe Gott half ihm noch durch -
aber jetzt, zum 3ten Mal in schwere Gefahr ge-
kommen, nahm er ihn hinweg von diesem Erdenleben-
u. führte ihn, wie wir christlich hoffen, ein in das
bessere Leben im Jenseits. Sein Tod war gut;
hat er ja jederzeit christlich gelebt u. ist christlich
gestorben, in treuer Erfüllung seiner soldatischen
Pflicht, für Gott, König u. Vaterland. Wie sollte
ihm der Herr dafür nicht gnädig gewesen sein?
Eines aber ist vor allem ganz sicher u. wahr,
nämlich daß auch in diesem Falle GOTTES hl. Wille
geschah, der es immer gut mit uns meint, auch
dann, wenn er uns schmerzliche Verluste schickt,
wie dieser einer ist. Auch ist unser Held seinen
Lieben auf Erden nicht entrückt, Kraft der
Gemeinschaft der Heiligen ist er mit uns u. sind
wir mit ihm verbunden, wie die Heiligen ihm
Hilfe senden können, so können auch wir ihm
Hilfe bringen durch Gebete u. gute Werke.
Seien wir darum nicht betrübt, wie jene,
die keine Hoffnung haben, sondern trösten wir
einander mit der sicheren Aussicht auf ein
frohes Wiedersehen in der Ewigkeit!
AMEN!
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