|
BÖSCH JOSEF, Jüngling, Gütlers-
Sohn von Moospoint, Pfarrei Otting, zuletzt
Bahnarbeiter in Traunstein, Gefreiter beim 1.
bayr. Inf. Rgmt., 3. Komp., Inhaber des Ver-
dienst Kreuzes III Kl. u. des Eisernen
Kreuzes, gefallen auf dem Felde der Ehre
in den Kämpfen bei Arras, am 12. Aug.
1916 im Alter von 21 Jahren. Die hl. Seelen-
gottesdienste fanden statt in Otting am
Donnerstag den 25. Okt. 1917 -R.I.P.
________
CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG!
Was der göttl. Herr d. Heiland einst mit
Worten gesagt hat, das predigt er heutzutage
gar oft mit Taten:"Der Menschensohn wird zu
einer Stunde kommen, wo man es am wenigsten
erwartet", denn in Wirklichkeit nimmt er bald
den einen Menschen, bald den anderen aus
unserer Mitte hinweg, bald läßt er ihn plötzlich
sterben, bald schickt er ihm eine Krankheit, die
ihm den nahen baldigen Tod vermuten läßt, oder
einen jähen und unvorhergesehenen Tod, wie es
in der Allerheil. Litanei steht, die wir jetzt so häu-
fig beten, wobei der Herr uns erinnern will
an die unerschütterliche Wahrheit:"der Menschen-
sohn wird kommen zu einer Stunde, wo ihr es am
wenigsten vermutet."
Und in der gegenw. gefährlichen Kriegszeit ist
es ja so leicht möglich, dem Tode zu Opfer zu
fallen, u. das Schrecken nimmt kein Ende, wenn
Todesfälle aus dem Schlachtfelde gemeldet werden.
Und heute haben wir uns wieder versammelt zu
einem Kriegergottesdienst, einem Gefallenen nach-
zurufen in die Ewigkeit, wie wir es oft genug
getan haben:"O Herr, gib ihm die ewige Ruhe u.
das ewige Licht leuchte ihm!"-Heute ist es der
ehrengeachtete Jüngling Josef Bösch, Gütlerssohn von Moosp.
zuletzt Bahnarbeiter in Traunst. Gefreiter beim 1. Inf.
Rgmt. 3. Komp. - Inhaber der Verdienst Kreuzes 3. Kl.
und des eisernen Kreuzes, welcher auf dem Feld der
Ehre, in den Kämpfen bei Arras am 12. Aug. 1916 in
einem Alter von 21 Jahren den Heldentot gefall. ist.
Es war eine traurige Sache, daß mehr als 1 Jahr
vorüberging, in welchem die Familie Bösch kein Lebens-
zeichen von dem Vermißten mehr erhalten.-Ist er noch
am Leben-ist er in einem Lazarett, ist er in feindl.
Gefangenschaft- das war alle Tage die bange Frage
der Familie- da kam nach langen Erkundigungen
bei der Kreisauskunftsstelle die traurige Nachricht, daß
der Gesuchte schon lange nicht mehr am Leben war;
der Unteroffizier Peter Lippert aus Fridolfing hatte zu
Protokoll gegeben:"der pflichtgetreue Kamerad
Josef Bösch ist gefallen am 12 Aug. 1916 bei einem
Gefechte an der Somme; derselbe war in meinem Zug
u. war einer meiner liebsten Kameraden.
Mich traf am gleichen Tag das Los der Ge-
fangenschaft, u. zwar bin ich jetzt in Paris interniert."
Er hatte seine Angabe eidlich abgegeben.
Nun war kein Zweifel mehr; die Kämpfe
waren stark, schon am 15. Juli 1916 sind die Fran-
zosen in die Schützengräben der Deutschen eingedrungen;
sie wurden abgewiesen, aber die Anstrengung
war so stark u. mächtig, daß ein Lieutnant sagte:
"eine übernatürliche Kraft hat uns geholfen".
Der Verstorb. war immer schon ein guter Mensch;
von Haus aus gut u. brav erzogen, hatte er immer schon
eine gute Führung, als er sah, daß er zu Hause überflüssig
sei, ging er als Bahnarbeiter nach Traunstein,
wo er sich immer soviel erwarb u. ersparte, daß
er seinen Eltern nicht zur Last fiel; er ersparte sich
noch soviel, daß er nützliches sich noch erwerben konnte.
Als er in den Krieg fort mußte, war er ganz
traurig. Seine Mutter war schon lange krank, aber
der gute Sohn konnte es kaum glauben, daß sie bald
sterben müßte; mit Traurigkeit im Herzen mußte
er fortgehen u. sie verlassen. Er konnte, die er so
sehr liebte, aus der Nähe nicht mehr trösten, nun
tat er dies aus der Ferne, ja er glaubte
nicht anders als daß er sie wiedersehen werde,
denn, also schrieb er: das wäre das Schwerste für mich,
wenn die Mutter immer krank wäre; wenn
es sein will, wäre es Gotteswille, u. mit Hilfe
Gottes werden wir uns wieder sehen. - Aus
allen seinen Briefen, die er in der Sorge für seine
Familie schrieb, schaute Mut u. Tapferkeit heraus, zugl.
aber auch felsenfestes Vertrauen, auf Gottes-
Vaterherz u. er wußte immer, wo
er Trost u. Frieden auch für seine Seele finden konnte.
Die Mutter war gestorben bald nach Beginn
des Krieges; am 21. Dez. 1914 hauchte sie ihre Seele
aus; er erfuhr es jedoch erst am 10.Feb. 1915.
Nach dem 26. Dez. 14 hatte er keine Ahnung vom Tode
seiner Mutter:"In aller Stille haben wir jetzt
Weihnachten gefeiert; so spricht er sich aus, ein schönes Bäumchen haben
wir uns geschmückt mit Liebesgaben, die uns in
Hülle u. Fülle von der lieben Heimat geschickt wurden;
fröhlich saßen wir am Abend um unser Bäumchen herum u.
erinnerten uns an die schönen Weihnachtstage zu Hause."
"Aber bald! in die stille hl. Nacht hinein donnerten
wieder die Kanonen; die schönen Friedensbilder
waren wieder aus meinem Sinn, u. das Krieger-
blut u. der Soldatenhumor war wieder in mir."
Jetzt kam der schwerste Schlag in der Kriegs-
Zeit des guten Soldaten. Unser Herr Koop. hatte ihm
geschrieben, daß die Mutter seit 23. Dez. 1914 nicht mehr
zu Hause, sondern im stillen Friedhof zu Otting zu
finden sei.-Das war ein schwerer Schlag für ihn.-
"die gute Mutter", rief er aus:"O Herr gib ihr die
ewige Ruhe!""O, daß ich hier im Feindesland den Tod
von meiner lieben Mutter erfahren muß; wie
gut erinnere ich mich noch, als meine Mutter am letzten
Tage in der Frühe vor meiner Abreise zu mir kam,
indem sie sagte: Mein Sohn, hier gebe ich dir meinen
Segen, denn wer weiß, ob wir uns wieder sehen
auf dieser Welt. Und so hat es Gott der Herr gewollt,
wir werden uns nicht mehr sehen."-"Aber ich ver-
zage nicht; beten tue ich für meine Mutter, denn gerade
hier im Kriege zeigt uns der allmächtige Gott, daß wir
hier keine bleibende Stätte haben, daß alle dorthin
kommen, wo meine liebe Mutter hingegangen ist, denn
wie oft habe ich schon gesehen, man redet so mit
einem Kameraden von der lieben Heimat, vom Frieden
u. vom Wiedersehen im lieben Vaterland zu Hause,
dann geht man auseinander frisch u. gesund u.
einen hebt es weg u. den anderen." Und weiter:
"Morgen habe ich das große Glück zur heiligen
Kommunion gehen zu können und ich werde sie
meiner Mutter aufopfern u. recht zu Gott beten, daß
er mich, wenn ich nicht mehr in die Heimat auf Erden
zurückkehren kann, aufnimmt in die ewige Heimat
zu meiner Mutter u. zur Mutter Gottes, u. nehme auch
dieses schwere Los geduldig auf mich."
Welch eine glaubensvolle Sehnsucht spricht heraus aus diesen
Worten. Möchte man da nicht sagen, der gütige
Gott hat den guten Jüngling vorbereitet für sich
u. für die Ewigkeit. Eine Blüte des Erdenlebens wäre
aus aus ihm geworden, eine duftende Blume der himml. Seligkeit.
Einen Gruß hatte ihm der h.H. Koop. gesendet. Er
dankt dafür in inniger Weise, aber auch um ein Gebet
bittet derselbe, das man im Kriege so notwendig braucht;
u. noch mehr:"Es würde mich erzlich freuen" sagt er im
Briefe,"wenn ich das Glück noch haben könnte, meine
rechte Hand in die geweihte Hand des h.H. Koop. legen zu
können; Gott der Herr gebe mir dazu Glück u. Segen;
ich vertraue auf seine Hilfe."
Von Osterbeicht u. Komm. spricht er öfter in seinen
Briefen, auch von den schönen Worten, die Feld-
geistliche an Soldaten gerne gerichtet haben, er hat
im Gewühle des Krieges seinen Gott u. Herrn nicht
vergessen, u. so wird Er seiner nicht vergessen
haben, als er hinüberging in das Land der Ewigkeit.
Zu Beginn des Jahres 1916 kam er unerwartet
noch mit seinem Bruder auf dem Schlachtfelde zusammen;
das war eine unendl. Freude für die beiden Brüder;
bis zum Abend konnten sie beisammen sein, friedlich und
fröhlich, mitten im tosenden Weltkriege. Es
war das letzte Beisammensein der Brüder u. die
letzte Kunde des sel. Verstorb. an seine Familie
war ein Briefzettel mit dem Ersuchen:"Bewahret
mir denselb. auf, u. wenn ich nicht mehr heimkommen
sollte, soll er nun ein Andenken & ein guter Trost sein."
Gott gebe es! u. die hl. Engel Gottes mögen die
Seele des Verstorbenen hinauf geleitet haben in die
Ewige Seligkeit nach welcher er nach dem Tode seiner Mutter eine förmliche Sehnsucht hatte.
Überlassen wir die Sorge dem Herrn u. bitten wir mit Zuversicht
u. Vertrauen für die Gefallenen u. befolgen wir so das Wort,
das in der hl. Schrift steht:"Es ist ein hl. und heils. Gedanke, für die Toten zu
beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden."
AMEN!
|
 |