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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Auf dem Felde der Ehre fiel durch ein
Artillierie-Geschoß am 20. Mai 1917 der
tugendreiche Jüngling ALOIS SCHRECKENBAUER
Hufnaglsohn von Hoehenberg, Feldzugssoldat
beim 12. bayr. Inf. Rgmt, 1. Komp. in einem
Alter von 20 Jahren, auf dem Schlachtfelde
gegen Frankreich. (Gottesdienst in Otting 21. Juni 1917)
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CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG!
Nach wenigen Tagen sind wir schon wieder
bei einem Gottesdienste für einen Krieger ver-
sammelt, nachdem erst am vergangenen Montag in
unserer Filiale Kammer ein solcher abgehalten
wurde; - sind wir jetzt hier versammelt, um
einen unserer tapferen Söhne die letzte Ehre
zu erweisen. - diesmal gilt es einem jun-
gen Krieger von nur 20 Jahren. Es ist
dies der tugendreiche Jüngling ALOIS
SCHRECKENBAUER
Hufnaglsohn von Hoehenberg, Feldzugssoldat
beim 12. bayr. Inf. Rgmt. 1. Komp., welcher am
23. Mai dieses Jahres auf dem Felde der Ehre
durch ein feindliches Artillerie-Geschoß
aus dem Kreise seiner Kameraden vom
Tode hinweg gerafft wurde, in dem schönen
Blütenalter von 20 Jahren.
Fast möchte man glauben, dies junge ver-
blichene Leben biete zu wenig an Inhalt, um
ein Vorbild für die Nachwelt zu bieten. Doch
dem ist nicht so! - Wenn auch jung an Jahren,
so gab er uns allen doch ein herrliches Beispiel
unverbrüchlicher Treue gegen seine hl. Kirche,
ein Beispiel auch des Gehorsams gegen seine
Eltern, denen er ein guter Sohn bis zum Ende
seines Lebens war, ein Beispiel der Werktä-
tigkeit u. der Arbeit, ein Beispiel aber auch
eines tapferen u. gehorsamen Kriegers, so daß
auf ihn die Worte der geheimen Offenbarung an-
gewendet werden können:"Weil du treu befunden
worden bist bis zum Tode, will ich dir die Krone
des ewigen Lebens geben!"
Ihm gab die Kompagnie das folgende ehrende Zeugnis:
"Die Kompagnie bedauert den Verlust dieses braven
u. tapferen Kameraden, der immer, wenn es galt,
unerschrocken u. treu seiner Pflicht genügte. - Die
Kompagnie wird ihm ein dauerndes Gedenken
bewahren."-
Als er fort mußte in den grausigen Krieg,
ward er gehoben von der Hoffnung, bald wieder
zu kommen; u. er kam auch ab u. zu. Wenn
der Abschied von der Heimat kam, auch seines Bruders,
der ebenfalls zum Kriege kam, dann ward
sein Herz betrübt, und die Eltern waren voll
von Sorgen; aber er verstand es dieselben
immer aufzumuntern und einen Teil der Sorge
ihnen abzunehmen. - Vom Felde herein
schrieb er ihnen oftmals u. es war jedesmal
ein freudiger Tag für seine Eltern u. Geschwister,
wußte er ja in seine Briefe jedesmal et-
was hineinzubringen, was christlichen Leuten
wohltut, wie z.B. "Heute ist der Weiße Sonntag,
bin um 10Uhr in der Kirche gewesen." u. ein
andermal: "Die hl. Osterbeichte u. die Kommunion
habe ich empfangen in einem schönen Kirchlein, den
Beichtzettel lege ich als Andenken bei"; kein Wunder
wenn er bei seiner christlichen Gesinnung ohne Angst u.
Bangen sagen konnte: "Wir haben das letzte Mal
einige Mann verloren; aber das achte ich nicht.
Wenn man Glück hat, kommt man durch u. wenn
nicht, - trifft es einen, wenn man auch in ruhiger
Stellung ist." Die Hauptsache ist das Gottvertrauen,
"macht euch keine Sorgen, wir sind noch immer
munter u. fröhlich beisammen."
Als guter Sohn vergaß er in seinen Briefen
auch nicht der landwirtschaftl. Sorgen seiner Eltern.
Er hatte die landwirtschaftl. Winterschule in Traunstein
besucht, u. bei seinen guten Talenten, die der Herr
ihm gegeben, reichliche Erfahrungen sich erworben,
mit welchen er jetzt auch vom Schlachtfelde
weg mit Rat u. Tat an die Hand gehen konnte.
Die meisten seiner Briefe enthalten Weisungen an
dieselben, die herausblicken ließen, daß er in der
Schule viel gelernt hatte. Gott segne im Jen-
seits sein gutes Wirken u. seine Sorge für seine
Heimat, seine Eltern u. Geschwister.
In einem seiner letzten Briefe schilderte er noch
ganz anschaulich einige Beobachtungen, die sich
ihm unwillkürlich aufdrängten: "Es ist jetzt
sehr schön; das Korn hat Ähren u. alles grünt
u. blüht, u. man muss herein von Rgmt. zu
Regiment; u. aufgearbeitet muß werden.
Tote Menschen u. Pferde liegen durcheinander,
es herrscht ein schrecklicher Geruch. Wir müssen
die Winterberghöhe erstürmen,
dann gibt's Bruch und Durchbruch!"
Es war aber nicht also! Der Tod lauerte
auf die armen Soldaten von allen Seiten,
u. auch ihn traf das Los, das ihn hinüber
führte in das Land der Ewigkeit.
Am heutigen Tage feiert die Kirche in der
Stille das Fest des hl. Aloisius, und Angehörige
des Verstorbenen haben gewünscht, daß ihm die hl. Seelen-
gottesdienste an diesem Tage, also dem Namens-
tage des Verstorbenen gehalten werden.
Möge der hl. Aloisius ihm ein treuer Führer
geworden sein aus dem Erdenleben hinauf zum
himmlischen Leben, möge er ihn hingeleitet
haben zum Throne der ewigen Glückseligkeit,
wie einstens der Erzengel Raphael den Tobias
heimgeführt hat in sein irdisches Vaterhaus!
Als er zum Heere einrücken mußte
u. ins Feld kam, schrieb er nach Hause:
"Schickt mir ein Skapulier u. eine Medaille,
wir kommen bald ins Feld, er dachte damals schon an Tod
u. Sterben, und sein Hinscheiden war gewiß
kein unvorbereitetes, wenn ihn auch der
Tod plötzlich überrascht hat.
Nun möge er ruhen in Frieden u.
in der Anschauung Gottes, - und seine
Angehörigen mögen nicht allzusehr trauern,
sondern die Hoffnung haben, daß
sie alle im Jenseits drüben sich wieder sehen
werden, wenn sie leben, wie der Verstorbene
u. sterben wie er. Seien wir darum nicht
betrübt, wie jene, die keine Hoffnung haben,
sondern trösten wir einander mit der
sicheren Aussicht auf ein frohes Wiedersehen
im Himmel! - Amen! -
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