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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Jüglg. VORDERMAYER GEORG, Soldat beim 12. bayr.
Inf. Rgmt. 1. Komp. gefallen auf dem Felde
der Ehre, durch eine Granate getroffen am
6. Juni 1917 in den Kämpfen gegen Frankreich,
im Alter von 20 Jahren. - Er war ein Sohn
der Familie Vordermayer, vom Göschl in
Halling. Die hl. Seelengottesdienste fanden statt
in Otting, am 27. Juni 1917.
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CHRISTLICHE TRAUERVERSAMMLUNG!
Nun haben wir schon wieder einen
hl. Seelengottesdienst in unserer Pfarrei. Ein
Krieger ist den Heldentod gefallen auf dem
Felde der Ehre, getroffen von einer Granate,
in den Kämpfen gegen Frankreich am 6.Juni
1917. - In der Blüte seiner Jahre, in seinem
20ten Lebensjahre. - Es ist dies der Ehren-
geachtete Jüngling GEORG VORDERMAYER, Göschlsohn
von Halling, Feldzugssoldat beim 12. bayr.
Inf. Rgmt. 1. Komp. -
Wenn die hl. Mutter die Kirche eines
ihrer Kinder zur ewigen Ruhe geleitet,so
wiederholt sie oft u. oft den Segenswunsch:
"O Herr gib ihm die ewige Ruhe u. das ewige
Licht leuchte ihm!" - u. so auch jetzt. Wir stehen
an der Tumba des gefallenen Helden, um
seiner zu gedenken im Gebete, u. da wüßte
ich wirklich kein schöneres, kürzeres u. ges-
sünderes Gebet als: " O Herr, gib ihm die ewige
Ruhe u. das ewige Licht leuchte ihm!" denn
es enthält aber auch gar Alles, was wir
dem teueren Toten Gutes u. Schönes für Leib
u. Seele nur wünschen können.
Er hatte ein arbeitsreiches, tätiges u.
ruheloses Leben daheim u. im Felde hinter sich,
u. er dachte wohl oft vom Anfange an bis zu
letzt an das Wort der hl. Schrift: "Im Schweiße
deines Angesichts sollst du dein Brot essen von
Kindheit an." u. als das Vaterland rief,
da scheute er nicht vor den Mühsalen u. Ge-
fahren, Leiden u. Qualen des Krieges, sondern
mutig u. freudig zog er ins Feld u. hielt aus -
tapfer u. treu, bis ihm ein mörderisches Geschoß
den Tod brachte, - u. das gleiche, dasselbe, was
ich beim Tode des kriegsgefallenen Kameraden
Alois Schreckenbauer vor wenigen Tagen verlesen
konnte, muß ich auch anwenden auf den jetzigen
gefallenen Helden: "Die Kompagnie bedauert
den Verlust auch dieses braven u. tapferen Ka-
meraden, der immer wenn es galt, unerschrocken
u. treu seiner Pflicht genügte. - Die Kompagnie
wird ihm ein dauerndes Andenken bewahren."
Es sind dies die gleichen Worte, die der gleiche
Feldwebel auch für den Gg. Vordermayer schreiben
konnte, da die beiden Soldaten bei der gleichen
Kompagnie sich befanden.
Nun ist er in Ehren gestorben, u. die hl.
Kirche wünscht ihm die ewige Ruhe; der Helden-
leib fand die irdische Ruhe im Grabe, wenn
auch nicht auf friedlicher Scholle. - Und nun
hat er's überstanden u. für ihn gibt's
nicht mehr Hunger u. Durst, nicht mehr Hitze
u. Kälte, Mühen u. Strapazen, Krankheit u. Tod.
Aber nicht blos um zeitliche, sondern auch
um ewige Ruhe fleht die Kirche für die Toten.
Damit meint sie aber jene selige Ruhe, jenen
himmlischen Frieden, jene Wonnen u. Freuden,
welche am Tage der Auferstehung offenkun-
dig werden; denn sie glaubt u. bekennt,
daß einst die Stunde kommen wird, wo
alle die in den Gräbern sind, die Stimme des
Sohnes Gottes hören, sie alle werden aufer-
stehen. - Und so beten wir dann mit der
Kirche zum Richter der Lebendigen u. der Toten,
er möge unseren Helden, der für das Vater-
land gefallen ist, nachdem er auf Erden
noch eine irdische Auszeichnung erhalten hatte,
das Eiserne Kreuz, - zu sich nehmen in das
Reich der ewigen Seligkeit. - Das möge
besonders am heutigen Tage, bei den hl. Seelen-
Gottesdiensten der Inhalt unserer Gebete u.
[u.] Bitten sein: "O Herr, gib ihm die ewige Ruhe!"
Es dürfte für euch alle von großem
Interesse sein, wenn ich noch einiges erzähle
aus einem Briefe, welchen ein Kriegssoldat
über seinen Kameraden Gg. Vorderm. an die Eltern
des Gefallenen geschrieben hat, weil wir aus
denselben näheres über die Gepflogenheiten der
Soldaten während des Krieges schildert.
Im Auszuge lautet der Brief also: " Sie werden
wohl schon die traurige Nachricht erhalten haben
vom Heldentod ihres Sohnes Georg? Ich spreche Ihnen
mein innigstes Beileid aus an dem schweren
Verluste, der sie getroffen hat, auch wir haben
durch den Tod ihres Sohnes viel verloren, einen
lieben, stets hilfsbereiten u. tapferen Kameraden."
... dann folgt eine kurze Beschreibung der Vor-
fälle, wie es sich zugetragen hat u. wie die Sol-
daten ihn begraben haben: "Wir waren in
einem Stollen; ein starkes Artilleriefeuer
zielte auf uns, wir suchten eine Deckung im
Stollen. Als das Feuer nachließ, gingen wir
wieder aus dem Stollen u. versuchten zu
schlafen, da im Stollen die Luft zum ersticken
war - u. bald schlugen 2 feindliche Granaten
ober dem Stolleneingang ein. - Wir suchten
wieder Schutz im Stollen u. als es ruhiger ge-
worden war, gingen wir wieder heraus,
u. da lag tot vor dem Eingang der Soldat
Gg. Vordermayer. - Er hatte eine schwere Kopfver-
letzung erhalten, das Gehirn war ausgelaufen,
er war also schnell u. schmerzlos aus der Welt
gegangen. - Meine Uhr zeigte 1/2 3U. - Bei Tages-
grauen begruben wir ihn an dem Abhange
vor dem Stollen, wickelten ihn in ein Zelttuch u.
legten ihn unter dem Donner u. Heulen der Schlacht
in sein frühes Grab, schaufelten zu und wälzten
einen großen Stein zu seinem Grabe, um den
Platz später zu erkennen." (den Brief hat geschrieben
ein Soldat Jos. Schneider im 12. Inf. Rgmt. 1.Komp.)
[Maurerpolier aus Kempten,
12. Inf. Rgmt. 1. Komp. HStA KrStR Band 1264, 905]
Dieser einzige Fall ist recht traurig,
aber jetzt sind noch 3 Söhne von der Göschl-
Familie beim Heere, u. noch dazu ist vor
wenigen Monaten, im Februar dieses Jahres,
auch eine Tochter dieser ehrenwerten Familie dem
Tode zum Opfer gefallen.
Gebe Gott, der Herr, daß weitere Trauer nicht
über das Haus u. die Familie komme, u. Leid u.
Kummer u. Sorge verschwinden!
Und nun! was wollen wir noch sagen zum
Troste der Angehörigen? Einst hat Judas der
Makkabäer, der Feldherr der Israeliten, für die Sün-
den der gefallenen Krieger gebetet u. 12000
Drachmen Silber nach Jerusalem gesandt, damit für
sie ein Sühneopfer dargebracht werde, weil es ein
heiliger u. heilsamer Gedanke sei, für die Verstorbenen
zu beten. - Und Beten für die Verstorb. - das können
wir alle; wir haben so viele gute Werke: das hl.
Meßopfer, die Kommunion, die Ablässe, das Vater-
unser u. die üblichen anderen Gebete, das Weihwasser,
die Sakramentalien u. anderes: lassen wir sie nicht
unbenützt, sondern wenden wir sie fleißig an zur
Hilfe u. zum Troste der gefallenen Helden! Sie ver-
dienen es; haben sie ja Blut u. Leben hingegeben
für das Vaterland, für die Heimat, für die Angehörigen.
Und wenn einmal der Tag kommt, an dem
alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes
Gottes hören u. daraus hervorgerufen werden, dann
werden auch unsere entschlossenen Helden auferstehen
u. sie werden das Leben wieder erhalten, das
sie für das Vaterland hingegeben haben, werden
sie ihre Eltern, Brüder, Schwestern u. Verwandte
wieder sehen u. werden glänzen wie die Sterne
in himmlischer Verklärung. - Und das sei euer
und unser Trost: "Es gibt ein Auferstehen,
es gibt ein Wiedersehen!
AMEN!
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