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[Autor: Pfarrer Georg Binder]
STÖGER GEORG
Am 11. Juni dieses Jahres [1918] fiel den
Heldentod für das Vaterland der Jüngling
GEORG STÖGER, Soldat beim 12. Infant.
Rgmt., 1. Komp., Inhaber des eisernen Kreuzes
2. Klasse, Bauerssohn von Plosau, Feld-
zugssoldat, in einem Alter von 21. Jahren in Frankreich.
Für denselben finden heute dahier
am 4. Juli die hl. Seelengottesdienste
mit Vigil-Requiem-Beimesse-Lobamt und
Libera in der Kirche statt, (wozu Freunde
und Bekannte, die Kriegskameraden u.
der Veteranen- und Kriegerverein, die
Marianische Kongregation, die freiwillige
Feuerwehr und die Allers. Bruderschaft
zum Kirchgang gebeten werden.)
Das Allers. Bruderschaftsamt mit dem Bittenrosenkranz
findet am Dienstag, den 9ten Juli um 8U. statt, u. auch
(vorher- um 1/2 8U. - wird ein hl. Amt für denselben gehalten.
ANDÄCHTIGE TRAUERVERSAMMLUNG!
Tief erschüttert stehen wir heute hier um
den Altar des Allerhöchsten und um die Toten-
bahre, u. denken in stiller Trauer an den Tod eines
lieben jungen Mannes, eines Kriegers, der da
die Hoffnung seiner Eltern u. Geschwister war, jetzt
aber in das Grab gesunken ist. - Fern von seiner
Heimat u. seinen Lieben ereilte ihn der Tod,
nach 14 monatl. treuer Pflichterfüllung im
Felde, am 11. Juni 1918.
Es ist dies der tugendreiche Jüngling GEORG
STÖGER Bauerssohn von Plosau, Soldat beim
bayr. Reserve-Inf.-Rgmt. No 12, der 1. Komp.-Inhaber
des eisernen Kreuzes 2. Klasse, der im Blüten-
alter von 21 Jahren durch schwere Verwundung
den Heldentod gefallen, einer der besten Bur-
schen der Pfarrei, gefallen für das Vaterland,
für die Heimat, für seine lieben Angehörigen.
Wie willig hat er gearbeitet im Hause seiner Eltern,
wie hat er sich ferne gehalten von den unnötigen
u. unvernünftigen Vergnügungen der Kameraden,
die manche Gefahren für sie brachten, wie hat er
als guter Christ gelebt u. gewirkt, auch den
Gottesdienst besucht an Sonn- und Feiertagen,
wie ist er seinen Eltern immer gehorsam gewesen
nach dem Beispiele des himmlischen Gottessohns im
stillen Hause zu Nazareth, - aber auch wie mutig
u. trosterfüllt ist er in den Krieg gezogen,
als das Vaterland ihn rief, die ganze Zukunft
in die Hand seines Herrn u. Meisters legend,
und mit welcher Innigkeit hat er vor seiner
Abreise an die Front seine Seele noch gestärkt
durch den Empfang der hl. Sakramente. Und
wenn er auch etwas zaghaft war bei dem
letzten Ausrücken in das Feld, - wer konnte
ihm dies wehren, - so kam ihm alsbald wieder
der frohe Mut und die Frische der Jugend u.
gleich den übrigen wurde er wieder in den Krieg
hineingerissen.
Und wenn ihm dann ab u. zu wieder ein
Urlaub gewährt wurde, da kehrte er so
gerne zurück in seine Heimat u. ohne viel zu
fragen, leistete er kräftige Beihilfe bei
seiner Familie, besonders bei der Landwirtschaft,
für welche er besonders eingenommen war.
Vom 14.-18.-Jahre war er zu Hause tätig, dann
ging er in den Krieg, und im Kriege mußte
er auch fallen.
Ein Leutnant berichtet über den Helden-
tod unseres gefallenen Kriegers folgendes:
"Ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, Sie von dem Helden-
tod ihres lieben Sohnes u. Bruders in Kenntnis zu setzen.
Er fiel BEI DER BETÄTIGUNG TREUESTER KAMERADSCHAFT bei dem Versuch
einen am 9. Juni gefall. Gefreiten, der ganz nahe an einem
Graben lag, zu bergen. - Schon schien die schöne Tat gelungen,
denn unbemerkt waren 4 Soldaten, darunter unser Krieger
Gg. Stöger an den Toten herangekommen u. hatten ihn in einen
Graben gelegt, als die Engländer auf den nahen Graben auf-
merksam wurden. - ein Schuß drang ihrem Sohn als
Streifschuß an der rechten Brust u. im Oberschenkel.
Es wäre ein schöner Heimatschuß gewesen, hätten
die Engländer nicht in einer allem Völkerrechte Hohn-
sprechende Weise Explosions-Geschoße verwendet. - So
riß der Schuß derart an der Bauchseite ein, daß ihr lieber
Sohn, nachdem er in die eigene Stellung zurückgebracht
war, seinen Geist aufgab, am 11. Juni gegen Mittag."
"Wir haben ihn heute auf dem Soldatenfriedhof in Favreuil
bei Bapaume zur letzten Ruhe gebettet. Möge er dort
ruhen in Frieden!"
Die ganze Kompagnie trauert mit ihnen um diesen
lieben Kameraden, der sich stets durch treueste Pflicht-
erfüllung hervortat. So gab er auch sein Leben bei
Ausübung treuester Pflicht gegen seine Kameraden. -
Möge diese Tatsache Ihnen Trost sein in Ihrem herben
Schmerz; wir nehmen aufrichtigen Anteil daran
u. werden Ihren Sohn nicht vergessen. - Die heldenhafte
Weise, in der er sein Leben einsetzte, um einen guten
Kameraden eun würdiges Begräbnis bereiten zu können,
soll als leuchtendes Beispiel fortleben in der Kompagnie.
In aufrichtigster Mittrauer grüßt ergebenst:
H. Hafner, Lt. u. Komp. Führer.
"Stöger war vor allen von seinen Kameraden u. vom
Komp. Führer sehr beliebt, schreibt ein Soldat, u. wird von
allen sehr bedauert (Matt. Eckhart)" u. ein Unteroff, schildert
ihn als den besten Mann seiner Komp., der sein Leben
für seinen Kameraden in die Schanze geschlagen hat u.
so hat er das größte Opfer gebracht. Unser Herrgott
wird's ihm lohnen. - Er wurde mit den größten
militär. Ehren bestattet."
(Unteroff. Carl Knobel [*20.5.1979 in Heidelberg])-
u. diesen Worten fügt noch ein Lazarett-Geistlicher
die Worte bei:"Eine größere Liebe hat Niemand,
als wer sein Leben hingibt für seine Freunde."
[vgl. Spruch auf dem Ottinger Kriegerdenkmal]
Der junge Soldat hat sein irdisches Vaterland verloren,
u. dafür ein himmlisches eingetauscht; möge er
nun ruhen in Frieden, wo kein Krieg in mehr erreicht
Auf dem stillen Heldenfriedhof zu Favreuil harrt er
einer verklärten Auferstehung entgegen."
Nun ist der gute Kamerad gestorben,
er ist ein Opfer geworden des unseligen Krieges
gleich vielen anderen, aber hoffen können wir, daß
er eingegangen ist in die ewige Ruhe, nachdem
er treu geblieben im Christusglauben und in
der guten Sitte.
Wenn ein Menschenkind gestorben ist, dann
ist unser erster Wunsch, unser erstes Gebet, das
wir dem Verstorbenen nachzuschicken pflegen:"O Herr!
gib ihm die ewige Ruhe u. das ewige Licht leuchte
ihm!" - Und Ihr, meine lieben Angehörigen des
Verblichenen könnt nichts besseres wünschen und
kein passenderes Gebet verrichten als dieses.
Denn, was sucht der Mensch auf dieser Welt, solange er hienieden
wallet, was sucht er wohl mehr als Ruhe! Nach
Ruhe, u. zwar nach einer beständigen Ruhe zielen
alle Gedanken u. Begierden, alle Bemühungen
u. Arbeiten, selbst die ganze Unruhe des Menschen ab.
Aber leider findet er auf Erden die so sehnlich
gewünschte Ruhe selten, u. wenn er sie auch gefunden
hat, so ist sie doch keine dauernde, KEINE EWIGE RUHE,
weil es gar viele Dinge gibt, die diese Ruhe stören.
Wenn es nun also ist, dann können wir unseren Ab-
geschiedenen keinen sinnvolleren Wunsch nachschicken, als:
"O Herr, gib ihm die ewige Ruhe", d.h. lasse sie eingehen
in dein Reich, wo alle Tränen von ihren Augen abge-
wischt werden, wo der Tod nicht mehr sein wird, noch Trauer
noch Klage, noch Schmerz, wo ihre Seelen in deiner Vaterhand
wo ihre Leiber in der Erde ruhen! Wo ihnen das
ewige Licht, Jesus Christus, die Sonne der Gerechtigkeit,
leuchten möge am hellen Tage, den keine Nacht mehr
verdunkelt. -
Und ihr meine lieben Christen u. ihr Angehörigen,
betet für den Verstorb., wie gute Christen beten, für das
Seelenheil des guten Kriegers u. betrübt Euch nicht
allzu übermäßig über den Verlust eures Sohnes
u. Bruders, von dem man sagen kann, daß er
treu gewesen ist bis in den Tod u. daß der Herr
ihm die Krone des ewigen Lebens gegeben hat.
"Weine nicht, sprach der Herr zur Witwe zu
Naim," u. erweckte den Toten zum Leben
u. zur Auferstehung!
AMEN!
Die Pflicht rief mich zum Krieg hinaus
Mit Gott ging ich zum Vaterhaus.
Ich dachte Euer fort u. fort,
Wenn ich auch weil' in fremden Ort
Und freute mich auf's Wiederseh'n
Wenn Krieg u. Stum zu Ende gehen.
Doch anders hat's der Herr gewollt,
und hat von hier mich abgeholt.
Nun ruh' in fremder Erd' ich aus
Und bin bei Gott im Vaterhaus.
Amen!
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