|
[Autor: Pfarrer Georg Binder]
Am 14. Juli 1916 ist auf dem Felde der
Ehre bei Wolka in Rußland den Heldentod für
das Vaterland gefallen der Feldzugssoldat
JOHANN SCHMID VON LUG
beim 1. bayr. Schweren Reiterrgmt. 1. Kavallerie
Division, nach einer Verwundung an Bauch u. Hand,
21 Jahre alt. - Gottesdienst in Otting 31. Aug. 1916
---
CHRISTL. TRAUERVERSAMMLUNG!
Herr von Kobell, Rittmeister u. Chef der 5.
Eskadron, hat an die Eltern des gefallenen
Johann Schmid von Lug den nachstehenden
ehrenvollen Brief geschrieben:
"Leider muß ich Ihnen die so traurige
Mitteilung machen, daß Ihr Sohn Johann
am 14. Juli den Heldentod für das Vaterland
gestorben ist. - Ich fühle wie schwer diese Nach-
richt von dem Verlust Ihres Sohnes Ihr und
Ihrer Frau Herz bedrückt; seien Sie überzeugt,
daß ich aufrichtig Ihren Schmerz teile.
Ihr Sohn war ein so vortrefflicher, braver
Soldat, der nur in treuer Pflichterfüllung sein
Leben ohne Unterlaß geweiht hat. - Möge ihm
der liebe Gott reichen Lohn im Jenseits für seine
Treue schenken!
Sein Name wird die Ehrentafel des Eskadrons
für immer schmücken u. nie wird er vergessen. Ihr Sohn
ist von einer Granatzünder-Explosion am
Bauch u. Hand schwer verletzt worden u. darauf
in das Lazarett Wolka transportiert, - dort wurde
er denselben Tag noch versehen mit den hl. Sterbsakr.
u. am nächsten Tage ist er leider schon gestorben.
Seine Kameraden haben ihm ein recht hübsches Solda-
tengrab errichtet. - Nochmals drücke ich Ihnen
in tiefster Trauer die Hand u. bin Ihr ergebener
von Kobell, Rttmstr. 5 Esk. Chef" -
das ist wahrhaftig ein ehrenvolles
Zeugnis für den Gefallenen und zugleich
ein Trost für die Eltern u. Geschwister u. alle
Anverwandten desselben, indem ausdrücklich
gesagt ist, daß er vor seinem Tode noch
die hl. Sterbsakr. empfangen hat; eines ru-
higen Todes ging er hinaus aus dem
Getrubel dieses Erdenlebens; in der Nähe
von Wolka, welches in der russischen Provinz
Wolhynien liegt, haben gute, treue Kamera-
den seine irdische Hülle in das Grab
gesenkt, allwo er nun die Auferstehung
der Toten erwartet mit all denjenigen,
die dort mit ihm gefallen sind. - Wie
schön u. rührend ist solch ein Soldatentod!
Der selig Verstorb. hatte einen guten
Freund u. braven Kriegskameraden un-
ter den Kriegern, es war dies Otto Mayer
von Oberaschau.
der frühzeitig schon gefallen war, und
diese beiden liebten sich so innig, daß un-
ser nun gefallener Mitbruder Joh. Schmid
sich öfter äußerte "jetzt wäre es mir schon
lieber, ich wäre auch mit ihm gefallen", -
und siehe! - Gott fügte es also, daß die
beiden guten Freunde nun wieder ver-
einigt sein können, nachdem die beiden
christlich waren im Leben und christlich
gestorben sind.
Bei dieser kameradschaftl. Liebe, müs-
sen wir da nicht denken an die schönen
Worte, welche die hl. Schrift uns auf-
bewahrt hat, die David gesungen hat,
nachdem sein Freund Jonathas auf
dem Schlachtfelde gefallen war:
DAVID UND JONATHAS:
Gedenke derer o Israel, die auf deinen
Höhen ihren Wunden erlagen!
Die Herrlichsten, o Israel, sind auf deinen
Bergen erschlagen! Wie Helden sind sie
gefallen!
---
Ihr Berge von Geboe, nicht Tau noch Regen
falle mehr auf euch, noch sollen Erstlinge auf
euren Fluren sproßen! denn dort ward weg-
geworfen der Heldenschild, Sauls
Schild, als wär' er nicht mit Öl gesalbt.
---
Saul u. Jonathas, die Geliebten u. Helden,
Wie im Leben, so jetzt im Tode vereint;
Sie waren schneller als Adler, stärker als Löwen.
Wie sind die Helden gefallen im Kampf!
Jonathas auf deinen Höhen erschlagen!
---
Es ist ein Leid um dich, Bruder Jonathas!
Wie warst du mir so hold! Deine Liebe ging
über Frauenliebe. - Wie eine Mutter
ihren einzigen Sohn, - so hab' ich dich
geliebt! -
---
Die hl. Schrift erzählt uns: Lazarus, der
mit seinen 2 schwestern Maria u. Martha zu
Bethanien wohnte, war krank. - Manchmal
hatte der Herr im Vorübergehen
Einkehr genommen im Hause der frommen Ge-
schwister. - Sie wußten auch, wohin [sie] sich wenden
mußten u. ließen ihm sagen: "Herr, den du
lieb hast, der ist krank" und auf dem Wege
dahin sprach Jesus zu seinen Jüngern:
"Lazarus, unser Freund schläft; ich aber gehe
nun hin, ihn von dem Schlafe aufzuwecken,"
u. ähnlich hat er sich ausgedrückt, als
er am Krankenlager der Tochter des Jairus
stand: "das Mägdlein ist nicht tot, sondern
es schläft nur".
Das Gleiche kann man sagen von unserem
verstorb. Mitbruder u. allen gefallenen
Soldaten: sie sind nicht tot, sie gehen
nur hinaus aus diesem Erdenleben
u. hinüber in ein anderes, in ein bisher ihnen un-
bekanntes Land, und dort steht der Herr über
Leben u. Tod und spricht das Wort: "Ich bin die
Auferstehung u. das Leben; wer an mich glaubt,
der wird leben u. in Ewigkeit nicht sterben."
Wenn es mit einem Menschenleben zu Ende
geht, dann kommt der
Priester u. betet über den Sterbenden, und
senkt Hoffnung und Vertrauen in seine Seele
hinein und ruft dann die Bermherzigkeit
Gottes über ihn herab mit den empfehlenden
Worten: "Wenn er auch gesündigt hat,
hat er doch den Vater u. den Sohn u. den hl. Geist
nicht verleugnet, sondern an Gott geglaubt,
auf ihn gehofft u. zu ihm gebetet."
So wenig verlangt Gott in seiner Güte
u. Barmherzigkeit von dem dahinsterbenden
Menschenkindern und nun - so vieles müssen
unsere Krieger ertragen? werden sie, nicht
der Verdienste genug sich erworben haben,
gute Freunde, wie die hl. Schrift sie nennt,
die sie, wenn es mit ihnen zu Ende geht,
in die Wohnungen des ewigen Lebens auf-
nehmen? Gott gebe es, u. wir hoffen
es u. rufen ihnen noch zu hinüber in
die Ewigkeit: "O Herr, gib ihnen die
ewige Ruhe u. das ewige Licht leuchte
ihnen!" - Amen!
|
 |